Von Wien in den Orbit: Wie Österreichs Raumfahrtprogramm wirkt

Wien (OTS) – –

Das TU-Spin-Off TTTECH liefert seit Jahrzehnten erfolgreich
Technologie für die globale Weltraumindustrie und ist bei großen
internationalen Programmen beteiligt.

Eine der Grundlagen für diesen Erfolg ist die aufwändige
Produktentwicklung und –weiterentwicklung, die durch
Anschubfinanzierungen der FFG und Österreichs ESA-Beiträge
unterstützt wurde und wird.

TTTECH ist inzwischen mit seinen Lösungen gut positioniert für
weiteres Wachstum – in etablierten Programmen internationaler
Weltraumagenturen, aber auch in der kommerziellen “LEO-to-Lunar
Economy“ [1]

Das vielbesuchte Living Planet Symposium der Europäischen
Weltraumagentur ESA, das heuer erstmals in Wien stattfand, hat
eindrucksvoll gezeigt, dass der Weltraum weltweit aber auch in
Österreich immer weiter an Bedeutung gewinnt, sei es im Bereich der
Erdbeobachtung, zur Gewährleistung von Sicherheit und Souveränität,
in der Forschung oder als wachsender Industriezweig. Österreichische
Forschungseinrichtungen und Unternehmen wie TTTECH profitieren von
den verstärkten Aktivitäten der ESA und der EU, aber auch von der
eigenen Dynamik der zunehmenden globalen Kommerzialisierung der
Raumfahrt.

Zwtl.: Wie man sich in der Weltraumindustrie erfolgreich positioniert

Das Wiener High-Tech Unternehmen TTTECH bringt österreichische
Technologie ins All und hat erfolgreich Produkte entwickelt, die in
vielfältigen Anwendungen – von Raumstationen über Trägerraketen,
Transportvehikel bis hin zu Satelliten – eingesetzt werden. TTTECH
ist seit mehr als 20 Jahren in der Weltraumindustrie tätig und in
vielen internationalen Programmen dabei, sagt Christian Fidi, Leiter
der Luft- und Raumfahrtsparte bei TTTECH: “Unsere Kernkompetenz sind
hoch-zuverlässige Datennetzwerke – quasi die Nervensysteme, die
sicherstellen, dass alle Daten ausfallssicher übertragen werden und
Systeme einwandfrei funktionieren. Unsere Luft- und Raumfahrtsparte
trägt mehr als 20% zum Umsatz von TTTECH bei, 2025 wird es bereits
mehr als ein Viertel sein und von den 1.100 Mitarbeiter:innen der
TTTECH arbeiten auch knapp ein Viertel an Projekten in diesem
Bereich.”

TTTECH hat eine Netzwerktechnologie (TTEthernet®) entwickelt, die
in Zusammenarbeit mit NASA und ESA in einen internationalen Standard
gegossen wurde, der heute als Basis für die Datennetzwerke einiger
der wichtigsten Raumfahrtprogramme und Luftfahrtanwendungen dient.
Die Lösungen des Unternehmens werden z.B. in der größten europäischen
Trägerrakete Ariane 6, in der NASA Orion-Raumkapsel und dem
internationalen “Lunar Gateway” eingesetzt, aber auch in
kommerziellen Anwendungen von „New Space“-Unternehmen oder dem
neuesten Cockpit des US-Luftfahrtzulieferers Honeywell.

Produkte für den Weltraum zu entwickeln, ist kein einfaches
Unterfangen – die besonderen Anforderungen bedingen, dass komplexere
Produkte oft Jahre bis zur erfolgreichen Qualifizierung brauchen.
Während kleinere Anbieter sich häufig mit Projektarbeit begnügen,
also eine Lösung nur für ein bestimmtes Projekt der ESA
qualifizieren, gehört TTTECH zu den wenigen Playern, die auf die
Entwicklung von Produkten setzen, die in verschiedensten
Raumfahrtanwendungen zum Einsatz kommen können. Dadurch muss zwar
anfangs deutlich mehr investiert werden – für die Entwicklung eines
Chips können 10 bis 20 Millionen Euro veranschlagt werden – jedoch
ergibt sich in der Folge eine starke Skalierbarkeit.

Zwtl.: Warum braucht es Förderungen und wie werden diese eingesetzt?

Der Raumfahrtmarkt ist von hohen technischen und programmatischen
Risiken gezeichnet. Trotz des starken Wachstums ist es nach wie vor
ein überschaubarer Markt im Vergleich z.B. zur Automobilindustrie.
Das macht den Markt für Wagniskapitalgeber, an dem es Europa ohnehin
mangelt, insbesondere für Technologieentwicklungen mit sehr spätem
Return on Investment unattraktiv.

Daher braucht es staatliche Unterstützung und eine langfristige
und verlässliche Technologiepolitik um die Infrastruktur, also die
Straßen und Schienen im Weltraum, bei denen die Europäische Union im
Vergleich zu USA, China oder Indien hinterher hinkt zu ermöglichen.
Sie ermöglicht es, die Risiken, die durch Marktverschiebungen während
langer Entwicklungszyklen entstehen, abzufedern. Somit wird sie
praktisch zu einer Grundvoraussetzung für die Branche – von Startups
und Forschungseinrichtungen bis zu etablierten Unternehmen, um
weiterhin in hochspezialisierte Fachkräfte, Innovation, sowie
Forschungs- und Entwicklungstätigkeit zu investieren können.

Die Teilnahme an Initiativen in Europa wird einerseits durch die
ESA-Beiträge Österreichs ermöglicht, andererseits spielen bei EU-
Programmen wie etwa „IRIS²“ die ESA als Partner der EU sowie
erfolgreich abgewickelte ESA-Projekte als Referenz eine sehr große
Rolle, so Christian Fidi:

“Die Weltraumindustrie ist global aufgestellt – die guten
Voraussetzungen in Österreich müssen gestützt werden und können in
weiterer Folge durch die enge europäische Zusammenarbeit voll
ausgeschöpft werden. TTTECH hat ein starkes Partnerökosystem, doch
wir haben auch gewisse Abhängigkeiten – aufgrund der geopolitischen
Lage und der komplexen Anforderungen arbeiten wir mit vielen
europäischen Lieferanten zusammen, die teilweise unsere einzige
Quelle für diese Komponenten sind [2] .”

Jeder Euro, den Österreich über das ASAP Weltraumprogramm
einerseits und durch die Europäische Weltraumagentur ESA andererseits
für die Entwicklung von Weltraumtechnologien ausgibt, kommt vielfach
in Form von High-Tech Aufträgen wieder zurück“, unterstreicht Karin
Tausz, Geschäftsführerin der Österreichischen
Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) die Bedeutung der öffentlichen
Unterstützung für Produktentwicklungen und sagt weiter: „Die
Infrastruktur im Weltraum ist unsichtbar, hat aber sichtbare und
unverzichtbare Wirkung für viele Dienstleistungen und für unsere
Gesellschaft.“

Zwtl.: Von Technologieinnovation zum marktfähigen Produkt

Damit TTTECH seine Produkte realisieren konnte, war viel
Vorarbeit nötig und die Anschubfinanzierung der Österreichischen
Forschungsförderungsgesellschaft FFG und die Teilnahme an ESA-
Entwicklungsprogrammen haben mit dazu beigetragen. Ein
Erfolgsbeispiel ist die Weiterentwicklung des TTE-Controller Chips
aus dem Ariane 6 Programm für den Einsatz im Lunar Gateway. Dafür
wurde einerseits in Österreich die notwendige Software entwickelt,
und es wurden andererseits von Beyond Gravity Austria in Wien
elektronische Baugruppen für die Computersysteme und Netzwerkelemente
samt mechanischer Umhausung konzipiert und produziert, die den TTE-
Controller in einem Keramikgehäuse beinhalten.

“Wir liefern gemeinsam mit Beyond Gravity Austria eine Netzwerk-
und Computing-Plattform für das Lunar Gateway, die für den Aufbau des
Ethernet-basierten Datennetzwerkes genutzt wird. Die Besonderheit
dabei ist, dass die von uns entwickelte TTEthernet-Technologie die
Übertragung von Daten für die missions- und sicherheitskritische
Steuerung des Raumfahrzeuges sowie von weniger kritischen Bild-, Ton-
und Protokollierungsdaten in einem einzigen Netzwerk kombiniert. So
können Komplexität und Gewicht reduziert, aber auch die flexible
Anbindung weiterer Computer für wissenschaftliche Experimente oder
zukünftige Erweiterungen realisiert werden,” erläutert Christian
Fidi.

Christian Fidi ist überzeugt, dass TTTECH eine gute
Positionierung für weiteren Erfolg am Weltraummarkt hat: “Wir sehen
große Wachstumschancen durch weltweite Exporte, eine Erweiterung der
Möglichkeiten durch ESA-Wahlprogramme, aber auch die Vertiefung der
Zusammenarbeit mit New Space-Unternehmen. Diese brauchen nicht nur
innovative Lösungen, sondern vor allem auch bereits erprobte
Technologie, die das Risiko und die Entwicklungszeiten minimiert.
Unsere langjährige Erfahrung mit NASA- und ESA-Programmen und die
bereits verfügbaren Produkte kommen uns hier zugute und eröffnen uns
weitere Geschäftsfelder. In der Chipentwicklung ist es wichtig, dass
Europa im globalen Umfeld kompetitiv bleibt, Innovationen zur
Marktreife weiterentwickelt und auch in diesem Bereich technologische
Führerschaft zurückerlangt.”

Zwtl.:

Zwtl.: Über TTTECH Aerospace

TTTECH Aerospace ist ein Unternehmensbereich von TTTECH, einer
global agierenden Gruppe von High-Tech-Unternehmen mit
Gründungsstandort und Hauptsitz in Wien. Die Lösungen von TTTECH
eröffnen neue Möglichkeiten im Bereich Automation/Autonomie,
Sicherheit und IoT und werden in Luft- und Raumfahrt, mobilen
Maschinen und Kraftfahrzeugen, der industriellen Automation sowie im
Energiesektor eingesetzt.

TTTECH Aerospace liefert und entwickelt hochzuverlässige Netzwerk
– und Embedded-Computing-Plattformlösungen für zeit-, missions- und
sicherheitskritische Anwendungen. Die Produkte von TTTECH Aerospace
haben gut drei Milliarden Flugstunden in großen Verkehrsflugzeugen
und mehr als drei Millionen Kilometer im Weltraum zurückgelegt. Sie
werden on globalen Champions und Technologieführern wie Collins
Aerospace, Honeywell, oder Thales genutzt und sind z.B. in den
Flugzeugen Airbus A-220, Boeing 787 und Embraer C-390, im Lunar
Gateway der NASA, in der Trägerrakete Ariane 6 und in
Eisenbahnsignalanlagen zu finden. Die Produktentwicklung findet
vorrangig am Standort Wien statt.

Web: https://www.tttech.com/aerospace

[1] LEO (Low Earth Orbit, erdnahe Umlaufbahn) bis zur
“Mondökonomie“

[2]
https://www.esa.int/About_Us/Business_with_ESA/How_to_do/Industrial_-
policy_and_geographical_distribution