Wien (OTS) – Mehr als 150 Kunstwerke versammeln sich im Belvedere 21
zu einer
Stellprobe – einer versuchsweisen, intuitiven Aufstellung, die neue
Beziehungen zwischen den Werken sichtbar macht. Der Titel geht auf
einen Vorschlag von Heimo Zobernig zurück und ist dem Theater
entlehnt, wo er einen Zwischenschritt in der Entwicklung einer
Inszenierung markiert. Die groß angelegte Schau bespielt Erdgeschoss,
Obergeschoss, Blickle Kino und Skulpturengarten und ist den
Erwerbungen und Schenkungen der letzten zehn Jahre gewidmet: als
Bilanz, als Einblick in die Sammlungsstrategie und als temporärer
Entwurf eines möglichen zukünftigen Museums. Dabei zeigt sich das
Museum nicht nur als Ort des Bewahrens, sondern auch als Ort der
Zeitgenoss*innenschaft, der fortlaufenden Fortschreibung von
Kunstgeschichte und der künstlerischen Produktion.
Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere: Das Sammeln
gehört zu den zentralen Aufgaben eines Museums: Was heute Eingang in
eine Sammlung findet, entscheidet mit darüber, welche Kunst, welche
Personen und welche Geschichten für kommende Generationen bewahrt
werden. Die Ausstellung gibt Einblick in diese Arbeit, die zugleich
öffentlicher Auftrag ist, und versteht sich auch als Blick in die
Zukunft einer Sammlung, die kontinuierlich weiterwächst.
Die Ausstellung zeigt die Sammlung nicht als abgeschlossenen
Bestand, sondern als offenes Gefüge. Das Aufeinandertreffen von
Werken unterschiedlicher Zeiten, Kontexte und Medien in der
prägnanten architektonischen Setzung von Heimo Zobernig eröffnet neue
Verbindungslinien und überraschende Lesarten , so Luisa Ziaja,
Chefkuratorin und Sammlungsleiterin des Belvedere.
Das Sammeln ist museale Kernaufgabe und identitätsbildend für
jede Institution. Orientiert am Profil des Belvedere, österreichische
Kunst im internationalen Kontext zu zeigen, und an der Programmatik,
die u. a. eine Neuperspektivierung der Kunstgeschichte anstrebt,
werden die Bestände aller Epochen ergänzt und erweitert. Die
Präsentation umfasst mittelalterliche Altarflügel aus dem frühen 16.
Jahrhundert und historische Werke späterer Epochen bis zur
zeitgenössischen Kunst, dem am stärksten wachsenden Sammlungsbereich.
Schwerpunkte wurden auf die Präsenz von Künstlerinnen des 19. und
frühen 20. Jahrhunderts sowie auf andere bislang unterrepräsentierte
Positionen gelegt. Zu letzteren zählen etwa Vertreterinnen der
Feministischen Avantgarde und Künstler*innen, die migrantische
Erfahrungen thematisieren. So vielfältig wie die Entstehungszeiten
der Werke sind die gezeigten Medien: Von Gemälden über Skulpturen,
Zeichnungen, Fotografie, Video- und Soundinstallationen spannt sich
der Bogen einer Ausstellung, die fragmentarische Momentaufnahme einer
Museumssammlung ist und zugleich ein Bekenntnis zum Wert von
Kunstwerken, zu deren Erhalt über Generationen sich das Museum
verpflichtet fühlt.
In den vergangenen zehn Jahren fanden rund 2.500 Werke durch
Ankäufe und Schenkungen Eingang in die Sammlung des Belvedere.
STELLPROBE macht diese Entwicklung sichtbar und eröffnet neue
Perspektiven auf historische und zeitgenössische Kunst; ergänzend
sind ausgewählte Leihgaben der Artothek des Bundes und der
Österreichischen Ludwig-Stiftung vertreten.
Das von Heimo Zobernig konzipierte Display setzt eine kühne
Klammer zwischen die beiden Ausstellungsebenen und arbeitet aktiv mit
den spezifischen Eigenschaften des von Karl Schwanzer entworfenen
Atriumbaus. Für seine raumgreifende Installation verwendet Zobernig
gebrauchte Kulissenelemente aus dem Fundus des Wiener Volkstheaters.
Eine kostenlose Audiotour mit 19 Stationen begleitet die
Ausstellung und bietet vertiefende Einblicke in die Sammlung, ihre
Geschichte sowie ausgewählte künstlerische Positionen .
Weitere Informationen und Pressebilder zur Ausstellung stehen
unter belvedere.at/presse zum Download bereit.


