Neue Umfrage: Einsamkeit im 21. Jahrhundert

Baden (OTS) – Die Gesellschaft des digitalen Zeitalters ist so stark
vernetzt wie
nie zuvor, doch ist sie dadurch auch weniger einsam? Eine neue Studie
des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Marketagent mit 30.674
Befragten aus 14 europäischen Ländern beleuchtet die vielfältigen
Facetten des Phänomens Einsamkeit: Von den Unterschieden zwischen den
Ländern, über den Umgang mit Alleinsein bis zur Frage, wie sehr
Einsamkeit heutzutage die Lebensqualität beeinträchtigt.

Zwtl.: Zentrale Erkenntnisse

Glücksniveau : 19% bezeichnen sich im Allgemeinen als (sehr)
glücklich, die Österreicher*innen liegen mit 21% knapp über dem
Durchschnitt. Auf dem letzten Platz: Ungarn mit 15%.

Allein, aber nicht einsam : Fast die Hälfte (44%) verbringt (sehr
) oft Zeit allein. Allen voran in Österreich genießt man diese Zeit
für sich (72%, Europa-Auswahl: 66%).

Einsamkeit im Ländervergleich : Jede*r Fünfte (19%) fühlt sich
oft oder (fast) immer einsam. Hierzulande trifft das nur auf 13% zu –
der niedrigste Wert aller Länder.

Lebensqualität leidet : Ein Drittel (32%) fühlt sich durch
Einsamkeit in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt.

Ursachen und Auslöser : Ein Mangel an Freundschaften (21%), einer
Partnerschaft (17%) und Zeit, um Kontakte zu pflegen (16%) tragen am
stärksten zu Einsamkeit bei. Im Winter fühlen sich 36% besonders
allein, 45% merken keinen Einfluss der Jahreszeiten.

Social Media als umstrittenes Hilfsmittel : Soziale Medien werden
von knapp einem Drittel aktiv gegen Einsamkeit eingesetzt (29%) und
erleichtern den Kontakt zu Freund*innen und Bekannten (32%). Durch
die Digitalisierung wird jedoch auch ein Rückgang echter Kontakte
wahrgenommen (37%), welche durch digitale Interaktionen nicht ersetzt
werden können (45%).

Angst vor zunehmender Einsamkeit: Jede*r Zweite (56%) nimmt eine
Zunahme von Einsamkeit in der Gesellschaft wahr. Europaweit hat fast
die Hälfte (46%) Angst davor, im Alter einsam zu sein, in Österreich
sind es 35%.

Zwtl.: Allein ist nicht gleich einsam – vor allem in Österreich
genießt man Zeit für sich

Wer Zeit allein verbringt, muss deshalb nicht einsam oder
unglücklich sein. Das zeigt eine aktuelle Marketagent-Umfrage, die in
14 europäischen Ländern (Österreich, Schweiz, Deutschland, Bulgarien,
Kroatien, Tschechische Republik, Frankreich, Ungarn, Italien, Polen,
Slowakei, Slowenien, Spanien und Türkei) durchgeführt wurde. Fast die
Hälfte der über 30.000 Befragten (44%) gibt an, (sehr) oft allein zu
sein. Hierzulande liegt dieser Wert mit 44% exakt im Durchschnitt. Es
fällt allerdings auf, dass die Österreicher*innen Zeit für sich
besonders schätzen: 72% geben an, gerne allein zu sein. Damit liegt
die Alpenrepublik im europäischen Spitzenfeld, nur übertroffen von
Italien (73%) und der Schweiz (74%, Europa-Auswahl: 66%). Spannend:
In Ungarn wird nicht nur am wenigsten Zeit allein verbracht (37%),
das Alleinsein wird auch am wenigsten geschätzt (49%).

Was das allgemeine Glücksniveau betrifft, liegt Österreich
ebenfalls knapp über dem Durchschnitt: Ein Fünftel der heimischen
Bevölkerung (21%) bezeichnet sich selbst als (sehr) glücklich, im
Europa-Vergleich sind es 19%. In der Schweiz zeigt sich das
Glücksniveau ähnlich (22%), während Deutschland mit 17% gemeinsam mit
Frankreich (16%) und Ungarn (15%) auf den untersten Plätzen zu finden
ist.

Zwtl.: Einsamkeit trifft vor allem Jüngere und Alleinstehende

Länderübergreifend berichten 19% der Befragten, sich oft oder
sogar (fast) immer einsam zu fühlen. Unter jungen Menschen liegt
dieser Wert besonders hoch: Jede*r Vierte (26%) der Unter-29-Jährigen
verspürt häufig Einsamkeit, in der Gruppe der 30–49-Jährigen sind es
20% und bei den Über-50-Jährigen nur noch 15%. In Hinblick darauf,
dass Herr und Frau Österreicher überdurchschnittlich gern Zeit ohne
die Gesellschaft anderer verbringen, überrascht es wenig, dass sich
nur 13% der Bevölkerung häufig einsam fühlen und damit den
niedrigsten Wert im Ländervergleich erreichen. Am häufigsten einsam
fühlt man sich übrigens in der Türkei (28,1%) und in Frankreich (27,3
%).

Auch bei den Folgen des Alleinseins zeigen sich klare
Unterschiede. Während europaweit insgesamt rund jede*r Dritte durch
Einsamkeit in der Lebensqualität (stark) beeinträchtigt ist (32%),
trifft das in Österreich auf nur etwas mehr als ein Fünftel (22%) zu.
Zum Vergleich: Beim traurigen Spitzenreiter Italien ist dieser Anteil
fast doppelt so hoch (42%). Am stärksten leidet die Lebensqualität
von alleinstehenden Personen (ledig: 39%, verwitwet: 37%, geschieden
bzw. getrennt: 33%), wohingegen sich Personen in Beziehung (29%) und
Ehe (26%) deutlich resilienter zeigen.

Zwtl.: Fehlende Kontakte und Partnerschaft als Hauptgründe für
Einsamkeit

Nicht nur das Fehlen einer Partnerschaft löst Einsamkeit aus,
auch wenn es für 17% der Befragten eine der Hauptursachen darstellt.
Insbesondere ein Mangel an sozialen Kontakten und Freundschaften
führt europaweit dazu, dass man sich einsam fühlt (21%). Je 16% geben
außerdem an, im Alltag zu wenig Zeit zu haben, um bestehende Kontakte
zu pflegen und ihre Familie und Freund*innen zu selten zu sehen. Auch
veränderte Lebensumstände, wie Trennungen, Jobverlust oder Umzüge,
spielen für 14% eine Rolle.

Für mehr als die Hälfte (55%) schwankt die Einsamkeit mit den
Jahreszeiten. So fühlen sich im Winter 36% der Befragten besonders
einsam, im Herbst sind es 15%. In den warmen Jahreszeiten treten
Einsamkeitsgefühle dagegen deutlich seltener auf (Sommer: 9%,
Frühling 4%).

Zwtl.: Verbunden im digitalen Raum, einsam in der realen Welt?

Social Media wird zwar von fast jedem*r Dritten (29%) als Mittel
gegen Einsamkeit genutzt, erweist sich allerdings als zweischneidiges
Schwert: 32% sagen aus, dass soziale Medien es ihnen erleichtern, mit
Freund*innen und Bekannten in Kontakt zu bleiben, 37% sehen jedoch
durch die zunehmende Digitalisierung einen Rückgang echter Kontakte.
Beinahe jede*r Zweite (45%) ist der Ansicht, dass Social-Media-
Interaktionen nicht in der Lage sind, reale Beziehungen zu ersetzen.
Insbesondere bei jungen Menschen setzt offensichtlich die sogenannte
„FOMO“ (Fear Of Missing Out) ein, wenn sie durch Aktivitäten ihres
Freundeskreises in sozialen Medien das Gefühl bekommen, etwas zu
verpassen (23% der Unter-29-Jährigen, Durchschnitt: 12%).

„ Einsamkeit ist ein wachsendes gesellschaftliches Problem, das
vor allem Jüngere und Alleinstehende trifft – unabhängig davon, wie
digital vernetzt wir sind. Virtuelle Kontakte können persönliche
Begegnungen nicht ersetzen und tragen in manchen Fällen sogar dazu
bei, das Gefühl des Abgeschnitten-Seins zu verstärken “, analysiert
Thoma Schwabl, Gründer und Geschäftsführer von Marketagent.

Unabhängig von der Rolle der Digitalisierung ist man sich über
die Ländergrenzen hinweg mehrheitlich einig, dass Einsamkeit in der
Gesellschaft in den vergangenen Jahren zugenommen hat (56%). Obwohl
man hierzulande vergleichsweise weniger stark von der Problematik
betroffen fühlt, teilen 58% der Österreicher*innen diese
Einschätzung. Einleuchtend ist daher auch die Angst vor Isolation im
Alter. Knapp die Hälfte (46%) fürchtet sich davor, im Alter einsam zu
sein. In Österreich liegt dieser Wert bei 35% – deutlich unter dem
Schnitt, aber noch immer auf hohem Niveau. Spitzenreiter sind Polen
und Frankreich, wo fast 60% diese Angst teilen.

Die Marketagent-Studie macht deutlich: Einsamkeit wird als
wachsendes Problem empfunden, das die Lebensqualität vieler Menschen
beeinträchtigt. Österreich steht im internationalen Vergleich zwar
besser da, doch auch hier wächst die Sorge vor Isolation im Alter und
einem generellen Anstieg von Einsamkeit.