Wien (OTS) – 1990 begründete der Rechtsanwalt Stuart Webb in den USA
das „
Collaborative Law “ – eine Methode, mit der Streitigkeiten
außergerichtlich beigelegt werden können und die heute weltweit in
120 Ländern von fast 40.000 Experten angewendet wird.
Das European Network for Collaborative Practice (ENCP) ruft am
27. März den European Collaborative Day aus – einen europaweiten
Aktionstag für eine Kultur der kooperativen Konfliktlösung. In
Österreich nimmt die AVM, Anwaltliche Vereinigung für Mediation und
kooperatives Verhandeln diesen Tag zum Anlass, um darüber zu
informieren.
Was im Familienrecht als Alternative zur gerichtlichen streitigen
Scheidung entstand, ist auch für andere rechtliche Konflikte
geeignet. Die Vorteile zeigen sich vor allem, wenn Menschen nach
einem Konflikt weiter miteinander auskommen wollen z.B. bei
Erbschaftsstreitigkeiten, im Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht, bei
Bauvorhaben und im Arbeitsrecht.
Im Collaborative Law behalten die Parteien die volle Kontrolle,
sowohl zeitlich als auch finanziell. Die Methode bietet das, was das
staatliche Justizsystem so nicht leisten kann: Geschwindigkeit,
Vertraulichkeit, individuelle Lösungen – und den Erhalt menschlicher
Beziehungen.
Das hat auch eine friedensstiftende Funktion: Die International
Academy of Collaborative Professionals (IACP) wurde für ihre
Leistungen 2022 für den Friedensnobelpreis nominiert .
Ein Rechtswesen, das nicht durch Konfrontation, sondern durch
Kooperation zu gerechten Lösungen findet. Am 27. März erinnert Europa
daran – und lädt alle ein, daran teilzuhaben.
Zwtl.: Hintergrundinformationen:
Collaborative Law in Österrreich
Österreich hat in der europäischen Entwicklung des Collaborative
Law eine Vorreiterrolle gespielt. Bereits 1997 wurde die AVM,
Anwaltliche Vereinigung für Mediation und kooperatives Verhandeln
gegründet. 2007 fand auf Initiative der AVM der erste europäische
Collaborative-Law-Kongress in Österreich statt. 2017 verabschiedete
der Österreichische Rechtsanwaltskammertag eine Richtlinie für
Collaborative Law – damit wurden zum ersten Mal in Europa wesentliche
Prinzipien dieses Verfahrens verbindlich in einem standesrechtlichen
Regelwerk verankert.
Die AVM ist zudem Gründungsmitglied des European Network for
Collaborative Practice (ENCP), dem Netzwerk nationaler europäischer
Collaborative-Practice-Vereinigungen.
Zum Verfahren:
Im Unterschied zur Mediation, bei der eine neutrale dritte Person
zwischen den Parteien vermittelt, hat im Collaborative-Law-Verfahren
jede Seite ihre eigene, parteiliche anwaltliche Vertretung – aber
alle arbeiten als Team an einer gemeinsamen Lösung.
Die Grundprinzipien: Freiwilligkeit, gegenseitiger Respekt und
die Verpflichtung zur vollständigen Offenlegung aller relevanten
Informationen. Das Verfahren wird von speziell geschulten
Rechtsanwälten unter Anwendung mediativer Prinzipien durchgeführt. Je
nach Bedarf werden weitere Fachleute hinzugezogen – z.B.
Psycholog:innen, Kinderexpert:innen, Finanzberater:innen.
Studien zeigen, dass die Zufriedenheit der Beteiligten in
Collaborative-Law-Verfahren deutlich höher ist als in herkömmlichen
Gerichtsverfahren – und das bei niedrigeren Kosten, kürzerer Dauer
und erheblich weniger emotionalem Schaden für alle Beteiligten,
besonders für Kinder.


