Innsbruck (OTS) – Seit Jahren liegen Ausbaupläne für das Kraftwerk
Kaunertal auf dem
Tisch, bis heute sind die erforderlichen Informationen unzureichend.
Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) und der WWF fordern nun
gemeinsam ein Moratorium für den geplanten Ausbau des Kraftwerks
Kaunertal. Aufgrund ungelöster Sicherheitsfragen und unvollständiger
Unterlagen könne das Projekt des Landesenergiekonzerns Tiwag nicht
genehmigungsfähig sein.
„Die klimabedingten Risiken und Naturgefahren im hochalpinen Raum
steigen dramatisch. Darauf hat die Tiwag bisher keine tragfähigen
Antworten gegeben. Das Projekt hat zu viele ungelöste
Sicherheitslücken – nicht zuletzt würde mit dem Platzertal ein
Tiroler Naturjuwel für immer zerstört“, sagen ÖAV-Generalsekretär
Clemens Matt und WWF-Expertin Bettina Urbanek .
Die Naturschutzorganisationen fordern eine unabhängige
wissenschaftliche Untersuchung der steigenden Risiken für Kraftwerke
im Hochgebirge. „Die alpine Landschaft ist von den Auswirkungen des
Klimawandels eindeutig betroffen, das spüren wir im Alpenverein
unmittelbar. Die Temperaturen steigen, die Starkwetterereignisse
nehmen zu, die Gletscher schwinden zusehends. Im alpinen Raum müssen
wir künftig häufiger mit Steinschlag, Murgängen und Felsstürzen
rechnen. Bei solchen Ereignissen können unter Umständen auch größere
Mengen an Stein und Geröll als bisher in Bewegung kommen. Diesen
Tatsachen muss sich auch die Tiwag offen stellen und für ihr Vorhaben
eine lückenlose, unabhängige Untersuchung beauftragen“ , sagt
Alpenvereins-Generalsekretär Matt.
„Wissenschaftlich ist längst belegt: Der Rückgang der Gletscher
und des Permafrosts und dadurch bedingte Naturgefahren, wie zuletzt
die großen Felsstürze gehören zu den neuen Schlüsselrisiken im
Hochgebirge. All das kann Kaskadeneffekte auslösen, die zu
Katastrophen führen“, warnt Bettina Urbanek vom WWF.
Zwtl.: Grobe Mängel in UVP-Unterlagen
In den UVP-Unterlagen der Tiwag stechen neben vielen anderen
Mängeln vor allem die extremen Lücken im Kapitel Naturgefahren,
Geologie und Grundwasser hervor. Steigende Gefahren wie große
Felsstürze, Muren oder mögliche Flutwellen in Speicherseen seien
entweder gar nicht, unzureichend oder auf Basis veralteter Daten
bewertet. „Das Risiko von Felsstürzen hat sich in den vergangenen
Jahrzehnten vervierfacht. Davor als Kraftwerksbetreiber die Augen zu
verschließen, ist grob fahrlässig“ , sagt WWF-Expertin Bettina
Urbanek.
Die Analyse der UVP-Unterlagen des Geomorphologen Prof. Dr.
Wilfried Haeberli bestätigt, dass die Unterlagen aufgrund dieser
Mängel neu erarbeitet werden müssten. Die Bliggspitze etwa, an der in
den letzten Jahren vermehrt Felsstürze beobachtet wurden, befindet
sich in unmittelbarer Nähe des Gepatsch Speichersees. Auch zum Risiko
der Gletscherseen, die sich aufgrund der Gletscherrückgangs oberhalb
des Stausees bilden könnten, liefert die Tiwag keine Antworten. Die
für die Einreichung verwendeten Gletscherdaten von 2017 liefern ein
unzureichendes Bild der aktuellen Situation: Der Gepatschferner etwa
ist alleine in der letzten Messperiode 2023/24 um 104 Meter
zurückgeschmolzen (und -381,5 m in der Periode 2018-2024). „Die Tiwag
ist einmal mehr daran gescheitert, der Behörde vollständige
Unterlagen vorzulegen. Auf einer derart lückenhaften Basis ist keine
seriöse Umweltverträglichkeitsprüfung möglich“, sagt Urbanek.
Zwtl.: Ja zu naturverträglichen Alternativen
WWF und Alpenverein plädieren stattdessen für die rasche
Umsetzung naturverträglicher Alternativen, darunter die
Modernisierung und Effizienzsteigerung bestehender Anlagen. „Mit dem
Kaunertal-Ausbau will die Tiwag vor allem ihre Profite im Stromhandel
mit dem Ausland maximieren. Eine echte Energiewende sieht anders
aus“, sagt Bettina Urbanek.
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