Haus & Wohnung

„Kinder stärken. Zukunft gewinnen.“: Kampagne fordert bessere Gesundheitsversorgung für Kinder

Wien (OTS) – Mit der Kampagne „Kinder stärken. Zukunft gewinnen.“
macht die
Plattform #besserbehandelt.at erneut auf gravierende Lücken in der
Gesundheitsversorgung von Kindern aufmerksam. Zu späte Diagnosen,
lange Wartezeiten, fehlende Kassenplätze und unzureichende
Unterstützungsangebote belasten Kinder und Familien. Gleichzeitig
verschärfen Budgetkürzungen die Situation in vielen versorgenden
Einrichtungen. Im Rahmen der heutigen Pressekonferenz richteten
Expert:innen konkrete Forderungen an die politisch Verantwortlichen
und riefen zur Unterstützung einer Petition auf.

Zwtl.: Lange Wartezeiten, zu wenige Therapieplätze

Besonders leicht übersehen werden, laut der Expert:innen, Kinder,
die auf Diagnostik und Therapie warten, Kinder ohne passenden
Betreuungs- oder Schulplatz sowie Kinder aus Familien, die nicht über
die notwendigen Ressourcen verfügen, um sich selbst durch ein
komplexes Gesundheitssystem zu kämpfen. Das Problem beginnt bei der
Wartezeit auf einen Entwicklungsdiagnostik-Termin und reicht bis zu
fehlenden Therapieplätzen, wobei es nicht ausschließlich an der Zahl
der verfügbaren Fachkräfte liegt. „ Wir haben nicht primär ein
Personalproblem. Wir haben vor allem ein Finanzierungs- und
Zugangsproblem “, sagte Johannes Hofer, Obfrau-Stv. der Politischen
Kindermedizin .

Zwtl.: Kinderrechte und soziale Sicherheit

Auch die mehr als 120 Mitgliedsorganisationen der
Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit (Kinderliga)
berichten von zunehmenden Engpässen. Rund die Hälfte der
Organisationen ist von massiven Budgetkürzungen betroffen. Die Folgen
sind weniger Präventionsangebote, weniger Therapieplätze und längere
Wartezeiten, teilweise auch Aufnahmestopps.

„ Kinder können nicht warten, bis das Gesundheitssystem wieder
Kapazitäten hat “, betonte Angelika Heumader-Rainer,
Geschäftsführerin der Kinderliga. Sie fordert flächendeckende,
kostenlose und niederschwellige Angebote, mehr Prävention und
Unterstützung für Eltern sowie Gesundheitsversorgung dort, wo Kinder
ohnehin sind, etwa durch School Nurses und Schulgesundheitsteams.

Gesundheitliche Chancen hängen zudem von den sozialen
Lebensbedingungen ab. „ Wir brauchen nicht nur ein versorgendes,
sondern auch ein mit-sorgendes Netz, für alle Kinder von Anfang an “,
sagte Martin Schenk, stellvertretender Direktor der Diakonie
Österreich . Gerade jene, die Unterstützung am dringendsten
benötigen, können sie sich häufig am wenigsten leisten. Schenk
fordert ein stärkeres Zusammendenken von Gesundheit und Soziales
sowie regionale integrierte Therapiezentren, Kinder-Hilfen (über die
Frühen Hilfen hinausgehen), Präventionsketten und Social Prescribing.

Zwtl.: Familien und Therapeut:innen am Limit

Wie sich die Versorgungslücken im Alltag auswirken, schilderte
Dominique Stiefsohn, pflegende Mutter und Vorstandsmitglied der
Phelan McDermid Gesellschaft : „ Wir werden wenig gesehen und nur
durch Austausch mit anderen pflegenden Eltern erfahren wir, dass
diese Hürden strukturelle Hürden sind – und kein Einzelschicksal. “
Sie fordert bessere Unterstützung und Entlastung für Familien sowie
ausreichend mobile Pflege und Betreuung.

Auch Therapeut:innen erleben die Lücken unmittelbar. In
Österreich warten Kinder teilweise eineinhalb Jahre – bei
spezialisierten Therapieangeboten teilweise bis zu zwei Jahre – auf
dringend notwendige Unterstützung. „ Wir sprechen hier nicht über
Luxus. Wir sprechen über notwendige Gesundheitsversorgung “, sagte
Luise Holzer, Ergotherapeutin mit Schwerpunkt Kinder und Jugendliche.
Holzer fordert mehr Kassenstellen, spezialisierte Ambulanzen und
interdisziplinäre Zentren, eine zentrale Anlaufstelle für
Therapieplätze sowie zusätzliche öffentliche Finanzierung, damit
Kinder rasch Unterstützung erhalten.

Zwtl.: Appell an Politik und Gesellschaft

Die Kampagne setzt auch auf breite gesellschaftliche
Unterstützung. „ Jede Stimme zählt: Mit der Unterzeichnung der
Petition können Sie alle einen Beitrag für eine Gesundheitsversorgung
setzen, in der kein Kind übersehen wird und jedes Kind die
Unterstützung erhält, die es für seine Entwicklung braucht – nicht
irgendwann, sondern jetzt “ , appellierte Heumader-Rainer.

Hofer adressierte sich abschließend an die politisch
Verantwortlichen: „ Es geht jetzt nicht mehr primär um Erkenntnis. Es
geht um politischen Willen und um die Kraft zur Umsetzung. “

Informationen zur Kampagne und zur Petition sowie zur Langfassung
des Pressetextes:
#besserbehandelt – Presse