Wien (OTS) – Mit einem ebenso spielerischen wie kritischen Blick
untersucht die
chinesische Künstlerin Miao Ying (* 1985 Shanghai) den
gesellschaftlichen Umgang mit intelligenten Systemen und eröffnet im
Belvedere 21 neue Perspektiven auf eine Technologie, die den Alltag
zunehmend prägt. Als Vertreterin einer Generation, deren
Sozialisation durch das Aufkommen des Internets, die Ein-Kind-Politik
und die digitale Zensur in China geprägt wurde, beschäftigt sie sich
mit den Mechanismen von Überwachung, Kontrolle und medialer
Manipulation.
Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere: Mit Miao Ying
präsentieren wir eine international bedeutende künstlerische Position
an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und digitaler Kultur.
Ihre multimedialen Arbeiten veranschaulichen, wie tief Künstliche
Intelligenz bereits in unseren Alltag eingreift, und eröffnen
zugleich einen differenzierten und überraschend humorvollen Blick auf
eine Technologie, die unsere Gegenwart und Zukunft maßgeblich prägt.
Die Ausstellung lädt dazu ein, die oft verborgenen Mechanismen
digitaler Systeme und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen neu zu
betrachten.
Der Ausstellungstitel Come, Sit, Stay greift klassische Kommandos
des Hundetrainings auf und verweist auf den menschlichen Wunsch,
komplexe Technologien steuern und beherrschen zu können. Miao Ying
nutzt diese bewusst humorvolle Analogie, um den gegenwärtigen Diskurs
über Künstliche Intelligenz aus einer ungewohnten Perspektive zu
betrachten. Das Gleichnis erweist sich als präziser Kunstgriff, der
die Mechanismen hinter KI verständlich macht und zugleich die Frage
aufwirft, wie technologische Entwicklungen gestaltet und
mitverantwortet werden können.
Seit 2019 beschäftigt sich die Künstlerin zudem mit historischen
Vorstellungen von Magie, Alchemie und Beschwörung. Diese Motive
treten in der Ausstellung mit den schwer nachvollziehbaren Prozessen
Künstlicher Intelligenz in Dialog. Gerade weil algorithmische Systeme
selbst für Expert*innen zunehmend komplex geworden sind, erscheinen
sie im öffentlichen Diskurs oftmals als undurchschaubare oder beinahe
magische Technologien.
Kurator Sergey Harutoonian: Miao Ying nähert sich Künstlicher
Intelligenz nicht als rein technologischem Phänomen. Sie untersucht
die kulturellen Narrative, Hoffnungen und Ängste, die mit ihr
einhergehen. Dabei führt sie scheinbare Gegensätze zusammen: Magie
und Algorithmus, digitale Bildproduktion und traditionelle Malerei,
Kontrolle und Unvorhersehbarkeit. Ihre Werke eröffnen neue
Perspektiven auf die Frage, wie wir mit intelligenten Maschinen
zusammenleben wollen.
Charakteristisch für Miao Yings Werk ist die Verbindung digitaler
Technologien mit traditionellen Medien. In einer bewusst bühnenhaft
inszenierten Raumsituation entsteht im Zusammenspiel mit Malerei und
skulpturalen Elementen eine immersive Installation, in der digitale
Prozesse eine materielle und räumliche Entsprechung finden. Anstatt
Mensch und Maschine als Gegensätze zu inszenieren, untersucht Come,
Sit, Stay deren wechselseitiges Verhältnis und lenkt den Blick auf
jene Qualitäten, die menschliches Handeln auszeichnen –
Unvollkommenheit, Kreativität und die Fähigkeit, mit Unsicherheit
umzugehen.
Weitere Informationen und Pressebilder zur Ausstellung stehen
HIER zum Download bereit.


