Korosec, Gerstorfer, Kapitany und Breitwieser zum Thema Suizidprävention im Alter

Wien (OTS) – Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz am 31. März
wiesen LAbg.
Ingrid Korosec, Birgit Gerstorfer, MBA, Dr. Thomas Kapitany sowie
Mag.ª Silvia Breitwieser darauf hin, dass Suizidprävention ein Thema
von höchster gesellschaftlicher Relevanz – besonders in der
Generation 65+ ist. Um auf die spezifischen Herausforderungen
aufmerksam zu machen, wurden Lösungswege aufgezeigt.

Zwtl.: Statement von LAbg. Ingrid Korosec, Präsidentin des
Österreichischen Seniorenrates:

„Die Zahlen sind alarmierend. 2023 nahmen sich in Österreich
1.212 Menschen das Leben – die Hälfte davon über 60 Jahre alt.
Besonders gefährdet sind ältere Männer. Die Ursachen: Übergang in den
Ruhestand, der als Verlust von Struktur, Sinn und sozialer
Anerkennung erlebt wird, dem Gefühl, nicht mehr gebraucht zu sein.
Oder: Erkrankungen, chronische Schmerzen, eingeschränkte Mobilität,
Verlust von Partner und/oder Freundinnen und Freunden, Einsamkeit.

Die Folge: Depression und/oder Angstzustände.

Wichtig für Menschen im Umfeld ist, Warnsignale für
Lebensmüdigkeit zu erkennen: Verhaltensänderungen wie Rückzug und
Abschottung. Besonders bei Männern kann die Verzweiflung auch in
aggressives Verhalten münden.

Es gilt: Hinschauen, nicht wegschauen! Aktives, aber sensibles
und behutsames Thematisieren ist gefragt. Mit der Botschaft, dass es
nicht um persönliches Versagen geht. Das Angebot an Unterstützung
durch Hinhören, Zuhören, Gespräche – und den Hinweis auf
Beratungsstellen. Österreichweit gibt es viele: die Telefonseelsorge
(142), den Ärztenotruf (141) und die Rettung (144). Dazu
spezialisierte Stellen wie das Kriseninterventionszentrum in Wien und
psychosoziale Dienste in den Bundesländern. Psychische Probleme sind
kein Grund für Scham, sondern einer, sich Hilfe zu suchen!“

Zwtl.: Statement von Birgit Gerstorfer, MBA, Präsidentin des
Österreichischen Seniorenrates

„Als Präsidentin des Pensionistenverbandes Österreichs ist mir
die Suizidprävention im Alter ein zentrales Anliegen. Besonders
ältere Menschen leiden oft unter Einsamkeit, gesundheitlichen
Einschränkungen, unerwarteten medizinischen Diagnosen oder dem
Verlust nahestehender Personen. Diese Belastungen sind für die
Betroffenen oft alleine nicht mehr bewältigbar. Dann muss ein starkes
soziales Netz da sein, das hinsieht, auffängt, zuhört und
unterstützt.

Wir müssen Alterseinsamkeit verhindern, indem wir aktiv Räume der
Begegnung schaffen, in denen sich Menschen austauschen und
Gemeinschaft erleben können. Ebenso wichtig ist ein niederschwelliger
und flächendeckender Zugang zu psychosozialer Beratung und
professioneller Hilfe, auch anonym. Niemand darf sich scheuen,
Unterstützung in Anspruch zu nehmen – und niemand darf damit allein
gelassen werden.

Ein Altern in Würde bedeutet auch, Lebensfreude, Sinn und
Teilhabe zu erleben. Dazu gehört, ältere Menschen ernst zu nehmen,
ihre Erfahrungen wertzuschätzen und sie aktiv in die Gesellschaft
einzubinden. Suizidprävention beginnt mit Aufmerksamkeit, Respekt und
Mitmenschlichkeit. Lassen Sie uns gemeinsam Verantwortung übernehmen
und dafür sorgen, dass ältere Menschen Hoffnung, Halt und
Perspektiven finden.

Zwtl.: Statement von Prim. Dr. Thomas Kapitany, Ärztlicher Leiter und
Geschäftsführer des Kriseninterventionszentrums Wien

„In Österreich sterben jährlich rund 1.200 Menschen durch Suizid,
knapp die Hälfte dieser Personen war zum Zeitpunkt ihres Todes über
60 Jahre alt. Das Suizidrisiko verdoppelt sich bei den Senioren und
steigt mit höherem Alter an. Auch wenn viele Menschen in dieser
Altersgruppe ein glückliches und zufriedenes Leben führen, gibt es
vulnerable Gruppen im Alter, auf die wir achten müssen.

Im Alter verändert sich die Lebenssituation und es kommt häufiger
zu Verlusterfahrungen. Der Übergang in den Ruhestand, schmerzliche
Verluste nahestehender Menschen, Krankheit, Einschränkungen von
Mobilität und anderer Fähigkeiten sind Beispiele. Dazu kommt, dass
auch Depressionen bei Menschen über 65 häufig vorkommen, dabei aber
oft unerkannt bleiben.

Zunehmende soziale Isolation und Einsamkeit, Angst vor der
Abhängigkeit von anderen und Gefühle von Hilflosigkeit und Ohnmacht
können zur Entwicklung von Suizidgedanken und -absichten führen.
Entscheidend ist, dass Betroffene Hilfe erhalten, sowie
Gesprächsangebote und Verständnis finden.

Das Kriseninterventionszentrum in Wien ist eine Anlaufstelle bei
persönlichen Krisen, Lebensüberdruss und Suizidgefährdung und hilft
am Telefon (01/406 95 95), online (
www.kriseninterventionszentrum.at/emailberatung ), und bietet
persönliche Gespräche und Krisenbetreuung vor Ort – auch anonym .

Bewusstsein für das erhöhte Risiko für Krisen und Suizidalität
bei alternden Menschen zu schaffen, ist ein dringliches Anliegen.
Suizidpräventives Handeln muss umfassend in unserer Gesellschaft
gestärkt werden. Die Broschüre des Kriseninterventionszentrums zeigt
sowohl für Betroffene als auch deren Angehörige und professionelle
Helfer in der Altenbetreuung leicht verständlich Risiken und
Warnsignale auf, und stellt Hilfsmöglichkeiten vor. Dank der
Unterstützung des Seniorenrats und der Telefonseelsorge wurde die
Broschüre aktualisiert und ist österreichweit verfügbar.“

Zwtl.: Statement von Mag.ª Silvia Breitwieser, Leiterin der
TelefonSeelsorge OÖ

„Älter werden bedeutet viele Verlusterfahrungen: Geliebte
Menschen sterben, der Körper verliert an Vitalität, der Geist wird
langsamer. Die Erwerbsarbeit ist Vergangenheit, die Mobilität
zunehmend eingeschränkt. Das soziale Netz wird durchlässig. Eine
leistbare Pflege erscheint für viele fraglich. Groß ist die Angst
davor, nicht mehr selbstbestimmt handeln zu können. Hinzukommen manch
unerfüllte Lebenspläne sowie existenzielle Fragen am Lebensende.

Das kann zu Einsamkeit, Traurigkeit, Wut, Angst, Wertlosigkeit
und in letzter Konsequenz zu dem Wunsch, aus dem Leben zu scheiden,
führen.

Über die große Ausweglosigkeit und Verzweiflung zu sprechen, ist
ein erster wichtiger Schritt. Denn eine Kontaktaufnahme mit der
TelefonSeelsorge steht meistens ein Stück im Widerspruch zur
Selbsttötungsabsicht. Suizidgedanken können offen thematisiert
werden. Die Mitarbeiter:innen stellen ausreichend Zeit zur Verfügung,
hören zu und vermitteln den Ratsuchenden haltgebende, akzeptierende
und unerschütterliche Zugewandtheit sowie das Gefühl, mit ihren
Problemen nicht allein zu sein.

Der vertrauliche Charakter des Notrufdienstes 142 macht es
möglich, dass Menschen über ihre Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit
reden, die sonst aus Scham oder Angst vor Unverständnis nicht
angesprochen werden, obwohl sie den Betroffenen große Probleme
bereiten.

Die Beratungsangebote der TelefonSeelsorge sind vertraulich,
kostenlos, ohne Terminvereinbarung und aus den eigenen vier Wänden zu
erreichen: unter der Telefonnummer 142 täglich rund um die Uhr, im
Chat täglich von 16.00 bis 23.00 Uhr (www.onlineberatung-
telefonseelsorge.at).“

Die Broschüre „Ich will so nicht mehr weiterleben! – Die
Herausforderungen des Älterwerdens meistern“ steht unter:
https://kriseninterventionszentrum.at/aktuelles-uebersicht/downloads/
zum Herunterladen bereit, oder kann in Papierform per E-Mail an
[email protected] bestellt werden.