Hülsenfrüchte: Wissenslücke schließen, um Potenziale abzurufen

Wien (OTS) – Hülsenfrüchte vereinen ökologische Vorteile in der
Produktion und
eine hohe ernährungsphysiologische Qualität. Sie liefern pflanzliches
Protein, fördern Darm- und Herzgesundheit und unterstützen das
Gewichtsmanagement. In der Planetary Health Diet sind Hülsenfrüchte
daher ein fixer Bestandteil des Speiseplans. Dennoch bleiben
Hülsenfrüchte im Alltag vieler Menschen Randerscheinungen. Die
Ursache ist klar: „Das Bewusstsein für ihre Vorteile für Boden und
eine gesunde Ernährung fehlt. Gewohnheitsmäßig mehr Bohnen, Linsen
und Co. zu essen, wäre aber ein einfacher, effektiver Schritt hin zu
einem nachhaltigen Ernährungssystem und einer gesünderen Ernährung.
Ihr Potenzial ungenutzt zu lassen, ist eine vertane Chance“, betont
die Geschäftsführerin des forum. ernährung heute (f.eh), Marlies
Gruber.

Die EAT-Lancet-Kommission transportiert mit der Planetary Health
Diet eine klare Botschaft: Statt tierischer sollen pflanzliche
Lebensmittel in den Vordergrund rücken und auch die Hauptquelle für
Eiweiß bilden. Dafür bieten sich neben Getreide, Nüsse und Samen vor
allem Hülsenfrüchte an. Sie gewohnheitsmäßig und dauerhaft mehr in
den Speiseplan zu integrieren, ist eine effektive Strategie, das
Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes zu reduzieren.

Vier bis sieben Portionen pro Woche können den
Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) senken, die Insulinsensitivität
verbessern sowie Gesamt- und LDL-Cholesterin, Triglyceride und
Blutdruck positiv beeinflussen. Gleichzeitig unterstützen
Hülsenfrüchte die Darmgesundheit und das Gewichtsmanagement.
Empfohlen werden dabei 75-100 g trockene Hülsenfrüchte pro Tag.
Tatsächlich liegt der Verzehr in Österreich laut Ernährungsbericht
bei lediglich rund 9 g pro Tag, also bei etwa einem Zehntel der
empfohlenen Menge.

Kombination mit Getreide

Hülsenfrüchte enthalten je nach Sorte zwischen 6 und 35 g Eiweiß
pro 100 g Trockengewicht. Bei der Eiweißqualität können nur
Sojabohnen mit tierischen Lebensmitteln mithalten, während Linsen,
Bohnen oder Kichererbsen im mittleren Bereich liegen. Aber in der
Praxis lässt sich das teilweise kompensieren: Wer vor allem auf
pflanzliche Eiweißquellen setzt, sollte auf Vielfalt und kluge
Kombinationen aus Hülsenfrüchten und Getreide achten. Denn während
Hülsenfrüchte reich an der essenziellen Aminosäure Lysin sind,
liefert Getreide mehr Methionin. Gemeinsam ergänzen sich die
Aminosäuremuster optimal für die körpereigene Proteinbildung.

Traditionelle Gerichte wie Linsen mit Semmelknödel, Hummus mit
Fladenbrot oder Reis mit Bohnen zeigen, wie einfach diese Synergie im
Alltag gelingt. Hülsenfrüchte bieten dabei auch vielfältige
Möglichkeiten, tierische Lebensmittel zu ersetzen, ohne sensorisch,
kulinarisch und ernährungsphysiologisch Einbußen zu haben: Fleisch in
Eintöpfen, Saucen oder Laibchen kann teilweise oder vollständig
getauscht werden (z.B. in Pasta Bolognese oder Chili con Carne
Faschiertes durch Linsen ersetzen), als Aufstrichbasis statt Wurst
oder Käse (z. B. Hummus, Bohnencremes) oder als Sojaprodukte wie Tofu
oder Tempeh. „Es geht nicht um ein Entweder-oder“, unterstreicht
Marlies Gruber. „Eine schrittweise Verschiebung hin zu mehr
pflanzlichem Eiweiß im Rahmen einer insgesamt ausgewogenen Ernährung
ist realistisch, genussvoll und nachhaltig. Hülsenfrüchte sind dabei
Fixstarter.“

Vorteile auf Feld und Teller wenig bekannt

Die Kombination aus Getreide und Hülsenfrüchten gilt tatsächlich
auch am Feld. Denn Wintergetreide etwa ist stickstoffzehrend, weshalb
Hülsenfrüchte als Folgekultur Sinn machen, da sie Stickstoff aus der
Luft binden und im Boden verfügbar machen. Zudem sorgen sie für eine
gute Durchwurzelung im Boden, was in Zeiten des Klimawandels die
Wasserverfügbarkeit der Folgekultur verbessert.

Doch weder die gesundheitlichen noch die ökologischen Vorteile
sind bekannt. Eine Umfrage im Auftrag der Union zur Förderung von Öl-
und Proteinpflanzen (UFOP, 2025) etwa zeigt deutliche
Informationsdefizite: Weniger als die Hälfte der Befragten wusste,
dass es die pflanzliche Lebensmittelgruppe mit dem höchsten
Eiweißanteil ist. Auch ihre Klima- und Umweltvorteile werden
unterschätzt, denn nur 45 Prozent der Befragten halten sie für
klimafreundlich.

„Entscheidend ist, das Wissen über die Vorteile und Vielfalt von
Hülsenfrüchten im Rahmen einer grundlegenden Ernährungs- und
Verbraucherbildung sowie entsprechenden Informationsangeboten zu
vermitteln und relevante Kompetenzen zu fördern. Hülsenfrüchte sind
Teil unserer traditionellen Küche. Mehr Bohnen, Linsen und Co. in den
Speiseplan einzubauen, wäre ein einfacher, wirksamer Schritt hin zu
einem gesunden und nachhaltigen Ernährungssystem“, fasst Marlies
Gruber zusammen.

Quellen

UFOP-Umfrage (2025): Die Verbraucherumfrage wurde von B2con im
Auftrag der UFOP durchgeführt. Befragt wurden 1.030 Personen in
Deutschland.