Arbeitsmarkt: Ausgleichstaxfonds langfristig absichern

Wien (OTS) – Am 2. März 2026 lud der Österreichische Behindertenrat
in den
Presseclub Concordia, um die aktuelle Arbeitsmarktsituation von
Menschen mit Behinderungen und die geplanten Entwicklungen beim
Ausgleichstaxfonds zu thematisieren. Am Podium diskutierten
Behindertenrats-Präsident Klaus Widl, Bundesbehindertenanwältin
Christine Steger sowie Patrick Berger, Leiter des Chancen Nutzen
Büros im ÖGB. Ziel ist die nachhaltige budgetäre Absicherung des
Ausgleichstaxfonds für die kommenden Jahre.

Aktuelle Daten zeigen, dass die Arbeitslosigkeit unter Menschen
mit Behinderungen derzeit dreimal so stark steigt wie bei Menschen
ohne Behinderungen. Zudem sind 21,5 Prozent von ihnen armuts- oder
ausgrenzungsgefährdet. Auch die Erwerbsquote unter Menschen mit
Behinderungen ist deutlich niedriger.

„ Die Zahlen zeigen klaren Handlungsbedarf. Ein Arbeitsplatz
bedeutet Selbstbestimmung, soziale Sicherheit und chancengleiche
Teilhabe – das sollte unser gemeinsames Ziel sein “, betonte Klaus
Widl, Präsident des Österreichischen Behindertenrats.

Mit der Ratifikation der UN-Behindertenrechtskonvention
verpflichtete sich Österreich bereits 2008, Rahmenbedingungen zu
schaffen, die es Menschen mit Behinderungen ermöglichen, ihren
Unterhalt durch eine frei gewählte Arbeit zu erwirtschaften. Dafür
muss der Staat die notwendigen Unterstützungsleistungen zur Verfügung
stellen.

Diese Leistungen werden zu einem großen Teil aus dem
Ausgleichstaxfonds finanziert. Für 2026 stellte die Bundesregierung
zusätzliche Mittel bereit. Ab 2027 soll dieser Zuschuss jedoch
schrittweise reduziert werden. Dadurch besteht die Gefahr, dass
zentrale Unterstützungsmaßnahmen für die berufliche Teilhabe künftig
nicht mehr im erforderlichen Ausmaß zur Verfügung stehen.

Bundesbehindertenanwältin Christine Steger unterstrich die
zentrale Bedeutung verlässlicher Unterstützungsangebote für die
berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. „ Es geht nicht
um freiwillige Zusatzangebote, sondern um jene
Unterstützungsmaßnahmen, die gleichberechtigte Teilhabe am
Arbeitsmarkt überhaupt erst ermöglichen. Werden diese Mittel
reduziert, geraten bestehende Arbeitsverhältnisse und die Chancen
zahlreicher Jugendlicher mit Behinderungen ins Wanken. “

Auch Patrick Berger, Leiter des Chancen Nutzen Büros im ÖGB,
verwies auf die strukturellen Benachteiligungen am Arbeitsmarkt und
die Notwendigkeit konkreter politischer Schritte. Eine bloße Analyse
der Situation reiche nicht aus. „ Teilhabe in der Arbeit ist ein
absolut essenzieller Teil für die Inklusion und Gleichstellung von
Menschen mit Behinderungen. Klar ist, dass Analysen, Evaluationen und
Studien nicht genug sind. Es müssen Handlungen folgen. “

Der Österreichische Behindertenrat fordert die Bundesregierung
auf, gemeinsam ein Zielbild für die zukünftige Ausgestaltung des
Ausgleichstaxfonds und der daraus finanzierten Maßnahmen zu
entwickeln. Dabei geht es um eine langfristige finanzielle
Absicherung, die Planungssicherheit schafft und Menschen mit
Behinderungen verlässliche Perspektiven am Arbeitsmarkt bietet.

Als gesetzlich legitimierte Interessenvertretung der Menschen mit
Behinderungen spricht sich der Behindertenrat klar gegen eine
Schwächung bewährter Unterstützungsstrukturen aus. Budgetäre
Einsparungen dürfen nicht dazu führen, dass Arbeitsplätze gefährdet
oder Zugänge zum Arbeitsmarkt weiter erschwert werden. Zudem ist
darauf hinzuweisen, dass sich budgetäre Einsparungen in höheren
sozialen und volkswirtschaftlichen Folgekosten niederschlagen würden.

„ Der Ausgleichstaxfonds hat sich als wirksames Instrument
bewährt. Wir möchten konstruktiv daran arbeiten, ihn langfristig
finanziell abzusichern “, so Klaus Widl abschließend.