Kindergartenpersonal: „Ungehobene Schätze“ heben!

Wien (OTS) – Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat kürzlich eine
Offensive des
Bundes im Bereich der Elementarpädagogik präsentiert. Herzstück der
Offensive ist eine Kampagne zur Gewinnung des dringend notwendigen
Personals in den Kindergärten. Zum Tag der Elementarpädagogik am 24.
Jänner weist das Hilfswerk auf „ ungehobene Schätze “ im Bereich des
Assistenzpersonals hin. „ Wir verschwenden aktuell Potenzial durch
einen wenig optimalen Personaleinsatz in den Kindergärten “, erklärt
Isabella Ecker, pädagogische Expertin des Hilfswerks .

Das Hilfswerk betreut in Österreich weit über 20.000 Kinder. „
Mit einem zeitgemäßen, standardisierten Berufsbild könnten wir
wertvolle Personalressourcen im Bereich der Assistenzkräfte
mobilisieren “, ist Ecker überzeugt. „Die Offensive des Bundes darf
sich nicht in einer Imagekampagne erschöpfen, sondern muss dringend
eine Reform im Bereich der Ausbildung und des Tätigkeitsprofils der
Assistenzkräfte zum Gegenstand haben“, fordert Ecker.

Überlastung der Fachkräfte und wenig optimaler Personaleinsatz

„Die personelle und finanzielle Ausstattung der
elementarpädagogischen Einrichtungen hält mit den steigenden
Anforderungen nicht Schritt . Elementarpädagoginnen und -pädagogen
haben aufgrund steigender bürokratischer Verpflichtungen und
Anforderungen in der Elternarbeit immer weniger Zeit , sich um die
beziehungsorientierte und in den Gruppenalltag eingebundene Förderung
der Kinder zu kümmern“, sagt Isabella Ecker. Die Konsequenz: „
Zentrale Aufgaben des Kindergartens wie beispielsweise die
sprachliche Bildung der Kinder kommen zu kurz. Sprachkompetenz
entsteht primär über Beziehung, vertrauensvolle Interaktion und
gemeinsam gestaltete Zeit – und weniger über punktuelle, externe
Sprachförderangebote. Wirksame Sprachförderung braucht Kontinuität
und Alltagsnähe “, so Ecker.

Um derartigen pädagogischen Kernaufgaben gerecht zu werden,
bedarf es personeller Ressourcen. Aus Sicht des Hilfswerks wird das
Personal in elementarpädagogischen Bildungseinrichtungen (
Kindergärten, Krabbelgruppen und Krippen) derzeit nicht optimal
eingesetzt . Während Assistenzkräfte 40 bis 60 Prozent ihrer
Arbeitszeit mit hauswirtschaftlichen Tätigkeiten – Kochen, Putzen,
Waschen – bestreiten, sind die Elementarpädagoginnen und -pädagogen
mit einer Fülle von unterschiedlichsten Aufgaben beschäftigt, bei
denen sie wenig Entlastung erfahren. Dadurch fehlt die notwendige
Zeit, um individuell auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen.
„Angesichts des hohen Erwartungsdrucks und der gestiegenen
bürokratischen Anforderungen erwägen derzeit 20 Prozent der
pädagogischen Fachkräfte einen Berufsausstieg“, betont Ecker.

Zeitgemäßes Berufsbild für Assistenzkräfte statt regionaler
Willkür

Den Hebel für einen optimaleren Personaleinsatz sieht das
Hilfswerk in einer Aufwertung und Profilierung der Assistenzkräfte
und der damit einhergehenden Entlastung der elementarpädagogischen
Fachkräfte . Damit dieser Hebel wirksam wird, braucht es politische
Weichenstellungen. Denn für die rund 31.000 Assistenzkräfte in den
heimischen Einrichtungen existiert weder ein einheitliches Berufsbild
noch eine bundesweit vergleichbare Ausbildungsverpflichtung. Während
Assistenzkräfte in Wien keine fachliche Qualifikation benötigen,
müssen sie zum Beispiel in Niederösterreich 106, in der Steiermark
475 Stunden einschlägiger Ausbildung nachweisen. Ganz zu schweigen
von den unterschiedlichen Berufsbezeichnungen, die sich wie eine
Satire auf den österreichischen Föderalismus lesen: die
burgenländische „Helferin“, der Kärntner „Kleinkinderzieher“, die
niederösterreichische „Betreuerin“, die „pädagogische Assistenzkraft“
aus Oberösterreich, die Salzburger „Zusatzkraft“, der steirische
„Kinderbetreuer“, die „Assistenzkräfte“ aus Tirol und Vorarlberg
sowie die Wiener „Assistentin“.

Die Etablierung eines einheitlichen Berufsbilds für
Assistenzkräfte in elementaren Bildungseinrichtungen samt klarem
Aufgabenprofil und daran orientierten Ausbildungsstandards könnte
sich, so der Vorschlag des Hilfswerks, an den gesetzlichen
Rahmenbedingungen für die Heimhilfen orientieren. Hier stand man vor
vielen Jahren vor ähnlichen Herausforderungen. Ein bundesweit
einheitlicher Anerkennungsprozess für Assistenzkräfte würde keine
relevanten Mehrkosten verursachen. Im Gegenteil: Die Anerkennung
vorhandener Qualifikationen und Berufserfahrung verhindert teure
Doppelqualifizierungen, reduziert administrativen Aufwand und hält
erfahrenes Personal im System. Anerkennung statt Nachschulung ist
damit nicht nur pädagogisch sinnvoll, sondern auch budgetär
effizient. „ Darüber hinaus wird ein attraktives, zeitgemäßes
Berufsbild helfen, mehr Menschen für eine Ausbildung und den Beruf im
Bereich der Assistenz zu gewinnen. Ein standardisiertes Berufsbild
schafft Klarheit und Perspektiven, es erleichtert die Mobilität
zwischen den Bundesländern und das Aufsetzen weiterführender
Ausbildungen “, ist Ecker überzeugt.

Über das Hilfswerk

Das Hilfswerk Österreich ist mit seinen Landes- und Teilverbänden
einer der größten gemeinnützigen Anbieter gesundheitlicher, sozialer
und familiärer Dienste in Österreich. Im elementarpädagogischen und
außerschulischen Bereich betreuen derzeit etwa 2.500 Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter rund 20.000 Kinder und Jugendliche in mehr als 650
Einrichtungen.

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