„G’sund in Österreich“ mit Dr. Christine Reiler über „Die geheime Welt der Pilze – Medizin, Nahrung und Gefahr“

Wien (OTS) – Herbstzeit ist auch Schwammerlzeit. Doch Pilze sind
nicht nur ein
köstliches Lebensmittel, sie spielen auch in der Medizin eine große
Rolle. So gäbe es ohne sie etwa keine Antibiotika, die seit vielen
Jahrzehnten bakterielle Infektionen wie etwa Atemwegserkrankungen
erfolgreich bekämpfen. Andererseits können Pilze auch Krankheiten
auslösen. Während Fuß- oder Hautpilz bekannt sind, wissen die meisten
Menschen nicht, dass Pilzsporen mitunter auch Lunge, Leber oder sogar
das Gehirn befallen. Ärztin und Moderatorin Dr. Christine Reiler
lässt sich auf die geheime Welt der Pilze ein und zeigt in „G’sund in
Österreich“ am Montag, dem 13. Oktober 2025, um 21.10 Uhr in ORF 2
und auf ORF ON, wie diese unser Leben beeinflussen.

Den meisten Menschen stellt sich zuallererst die Frage: Sind Pilze
Pflanzen? Viele glauben das – doch tatsächlich gehören sie in keine
der bekannten Kategorien. Biologisch betrachtet stehen Pilze dem
Tierreich in mancher Hinsicht sogar näher als der Pflanzenwelt: Sie
enthalten Chitin, das auch im Exoskelett vieler Insekten enthalten
ist, Pflanzen aber völlig fehlt. Was nur wenig bekannt ist: Der
größte Organismus der Erde ist ein Pilz. Im Malheur National Forest
im US-Bundesstaat Oregon wächst ein „Dunkler Hallimasch“, dessen
unterirdisches Geflecht sich über fast zehn Quadratkilometer
erstreckt. Mit einem Alter von mindestens 2.400 Jahren ist dieser
Pilz nicht nur ein Gigant, sondern auch ein Methusalem.

Christine Reiler entdeckt mit dem Pilzexperten Stefan Marxer die
Vielfalt der Speisepilze im Wienerwald – ein Paradies nicht nur im
aktuellen „Superpilzjahr“. Marxer, der als Pilz-Influencer Tausende
Fans begeistert, teilt sein Wissen direkt im Wald. In der Küche
trifft Reiler auf Ernährungswissenschafterin Andrea Ficala, die die
gesundheitlichen Vorteile von Pilzen betont: „Sie sind kalorienarm,
ballaststoffreich und als Fleischersatz immer gefragter.“ Auch
innovative Zuchtbetriebe zeigen, wie nachhaltiger Pilzanbau
funktioniert. Kein Wunder, dass Pilze die Supermarktregale und die
heimischen Küchen erobern.

Christine Reiler nimmt das „G’sund in Österreich“-Publikum mit auf
eine faszinierende Spurensuche. Im Tiroler Ötztal erfährt sie von
Archäologen, dass schon Ötzi auf die Heilkraft von Pilzen setzte –
ein Birkenporling am Gürtel sollte ihm einst helfen, Infektionen zu
bekämpfen.

Doch die Bedeutung der Pilze reicht weit darüber hinaus: Ohne sie
gäbe es keine Antibiotika, eine der größten medizinischen
Errungenschaften. Österreich war hier Vorreiter – in Kundl entstand
die erste Penicillinfabrik Europas, die bis heute aktiv ist. Reiler
beleuchtet, wie Pilze nicht nur Krankheiten heilen, sondern auch
Risiken bergen: Wildpilze können giftig oder radioaktiv belastet
sein, Schimmelpilze sind eine unterschätzte Gefahr für die
Gesundheit.

Das zeigt der Fall der Künstlerin Petra Forman eindrücklich. Zehn
Jahre lang litt sie an schweren, immer wiederkehrenden
Lungenentzündungen, bis schließlich Schimmelpilzsporen aus Erde und
Laub als Ursache erkannt wurden. Die Diagnose: Allergische
Aspergillose, eine seltene, durch eine Überreaktion auf Schimmelpilze
ausgelöste Lungenerkrankung. „Pilzsporen sind als Auslöser von
Atemwegserkrankungen viel zu wenig bekannt“, warnt Allergie-Experte
Fritz Horak. Studien legen nahe, dass bis zu 15 Prozent aller
Allergikerinnen und Allergiker mit Lungenproblemen auf Pilzsporen
reagieren – doch nur ein Bruchteil erhält diese Diagnose. Petra
Forman musste sich vor einigen Jahren einer Lungenoperation
unterziehen. Heute verarbeitet die Niederösterreicherin ihre
Krankengeschichte in der Malerei.

Auch die moderne Forschung ist für Christine Reiler ein Thema: Im
Mushroom Research Center Austria werden die heilsamen Wirkstoffe von
Pilzen untersucht, von traditionellen Heilpilzen wie Reishi bis zu
neuen medizinischen Anwendungen.

So macht Christine Reiler deutlich: Pilze sind weit mehr als
Schwammerln im Herbst – sie sind ein unterschätzter Schatz für
Medizin, Ernährung und Wissenschaft.