Wien (OTS) – Es war eine Idee des Adels, dem nur langweilig war und
der keinerlei
Bezug zur Natur hatte. Wenn man viele Tiere abschießen will, weil das
nun einmal lustig sei, dann muss man sie vorher züchten und
aussetzen, weil die freie Wildbahn nicht ausreichend viele Individuen
für den grenzenlosen Bedarf dafür liefert. Und so hat man sich eine
eigene Fasanart gezüchtet, den sogenannten Jagdfasan. Und seither
setzt man ihn aus, um ihn gleich wieder in großen
Abschießbelustigungen abzuknallen. Und wie das nun einmal vor allem
im Tierschutz so ist: das Freizeitvergnügen der Mächtigen und Reichen
ist nicht so leicht zu beschränken, selbst wenn die große Mehrheit
der Bevölkerung dieses Verhalten als abscheulich ablehnt. Und so
werden noch immer Fasane in großen Brütereien gezüchtet, in
Massentierhaltungen gemästet, im Tiertransport nach Österreich
gebracht und hier ausgesetzt, nur um abgeknallt zu werden. Essen kann
man die von Bleischrot durchsiebten, leblosen Körper praktisch nicht
mehr.
Der VGT legt jetzt Aufnahmen und ein Video vor, das das
massenweise Aussetzen von Zuchtfasanen im Jagdrevier der
Liechtenstein’schen Jagdgesellschaft bei Altlichtenwarth zeigt.
Hunderte und vielleicht sogar tausende, hilflose Tiere warten dort
jetzt darauf, abgeknallt zu werden. Dabei fallen die angeschossenen
Fasane verletzt vom Himmel und werden von dressierten Jagdhunden
verfolgt und lebend apportiert. VGT-Obperson DDr. Martin Balluch war
Zeuge einer Jagd genau dort: „ Ein absolut grauenvolles Massaker, das
jeder Beschreibung spottet. Es kann wirklich nicht wahr sein, dass
heute noch in unserem Österreich, in dem Tierschutz in der
Bundesverfassung anerkanntes Staatsziel ist, derart mit Tieren
umgegangen wird. Eine grausamste Folter nur zum Spaß einiger weniger
Menschen, die mit ihrer Freizeit nichts Besseres anzufangen wissen.
Ein wirklich trauriges Armutszeugnis. “
In Österreich hat der VGT bereits große Einschränkungen dieses
perversen Jagdvergnügens erreicht. So ist das Aussetzen von Fasanen
bzw. die Jagd auf ausgesetzte Fasane in 5 von 9 Bundesländern
verboten. In NÖ ist das Aussetzen leider nur meldepflichtig. Der
Tierschutzrat des Bundes hat die Aussetzerei selbst bereits für
Tierquälerei erklärt und ein Verbot gefordert. Dieses steht jetzt im
Tierschutzgesetz, allerdings mit der Einschränkung, dass nur das
Aussetzen von in freier Wildbahn nicht lebensfähigen Tieren verboten
ist, und die NÖ Landesregierung behauptet nun einfach, dass das auf
Zuchtfasane nicht zutreffe. Und das, obwohl selbst der jagdaffine
Univ.-Prof. Klaus Hackländer vom Institut für Jagdwirtschaft der BOKU
Wien in einem Artikel der Jagdzeitschrift „Der Anblick“ von Oktober
schreibt: „Äußerlich merkt man kaum einen Unterschied, doch das
Verhalten, der Körperbau und die Physiologie von Zuchttieren
verändern sich in Gefangenschaft, da die natürliche Selektion fehlt.
Zuchttiere verlieren jene Anpassungen, die in freier Wildbahn das
Überleben sichern. Unnatürliches Verhalten wird in Zuchtanlagen
ebenso wenig ‚bestraft‘ wie inadäquate Verdauungssysteme oder
Bewegungsapparate. Dieses Ausschalten der natürlichen Selektion führt
unweigerlich auch zu einer Veränderung der genetischen Struktur in
Zuchttieren. Was über Generationen verloren ging, kann nicht nach der
Freilassung im Revier einfach wieder abgerufen werden.“
Pressefotos (Copyright: VGT.at)



