Wien (OTS) – Für Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich markiert der
Krieg in Gaza
einen beispiellosen Zivilisationsbruch, der die Welt in
Fassungslosigkeit zurücklässt. „Während die Mechanismen der
internationalen Staatengemeinschaft zur dauerhaften Konfliktlösung
weitgehend versagen“, zeigt sich Generalsekretär Martin Wassermair
besorgt, „wird auch das erste Zusatzprotokoll der Genfer Konvention
von 1977, das Journalistinnen und Journalisten in Kriegs- und
Konfliktgebieten besonderen Schutz zusichert, immer rücksichtsloser
missachtet“. Die gezielte Tötung von Medienschaffenden ist in Gaza
seit langem erschreckende Realität.
Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich fordert unverzüglich
wirksame Maßnahmen zur Wiederherstellung des Friedens und betont
zugleich, dass die Sicherheit und Unversehrtheit von Journalistinnen
und Journalisten dabei ausreichend Beachtung finden müssen. Die
Wiederherstellung des Friedens ist aktuell das größte Gebot der
Stunde. ROG-Präsident Fritz Hausjell führt im Hinblick auf die
Bedrohung von Medienschaffenden näher aus: „Dazu zählen nicht nur der
Schutz vor militärischen Angriffen, Einschüchterungen und
willkürlichen Verhaftungen, sondern auch die Einrichtung
internationaler Mechanismen, die Pressefreiheit wirksam beobachten
und sichern können.“ Gleichermaßen wesentlich ist der
uneingeschränkte Zugang zu Informationen: „Eine unabhängige
Berichterstattung benötigt Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit,
unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen, ohne politischer oder
militärischer Kontrolle ausgesetzt zu sein.“
Darüber hinaus sind eine stabile digitale Infrastruktur und die
notwendige technische Ausstattung unerlässlich, um Informationen
schnell und sicher verbreiten zu können. Das erfordert zudem
umfassende Schulungen in digitaler Sicherheit, damit Journalistinnen
und Journalisten besser gegen Überwachung, Manipulation und
Desinformation geschützt sind. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Aus
– und Weiterbildung. Journalistinnen und Journalisten müssen Zugang
zu professionellen Trainings in investigativen Methoden,
Konfliktberichterstattung, Fact-Checking und Storytelling erhalten.
Internationale Kooperationen können hierbei zusätzliche Schutzräume
schaffen und den Austausch sowie die Sichtbarkeit unabhängiger
Stimmen stärken. „Es ist zwingend nötig“, erklärt Hausjell, „dass die
Arbeit von Medien in Kriegsgebieten auch von allen am Konflikt
Beteiligten als wertvoller Beitrag zu Demokratie, Gerechtigkeit und
dauerhaftem Frieden anerkannt wird“. Um Zukunftsperspektiven zu
schaffen, darf Gaza zudem nicht auf Leid und Zerstörung allein
reduziert werden. Es gilt, eine neue Generation von Journalistinnen
und Journalisten zu fördern, die über das Bild des Krieges hinaus
auch kulturelle Entwicklungen, den Alltag der Menschen und neue
Zuversicht sichtbar machen. Journalismus kann den Raum für
vielfältige Erzählungen und Sichtweisen eröffnen, die stereotype
Konfliktmuster überwinden. „Die Pressefreiheit ist ein
unverzichtbares Fundament. Gerade in einem von Krieg und Gewalt
zerrissenen Gebiet wie Gaza muss sie sichergestellt und vital
entwickelt werden – nicht zuletzt, um Wege zu Gerechtigkeit und
Frieden zu öffnen“, so Fritz Hausjell und Martin Wassermair
abschließend.


