Cortina d’Ampezzo (OTS) – Österreichs Weltmeisterinnen im Rodel Damen
Doppel sind die
Favoritinnen bei den Olympischen Winterspielen in Mailand Cortina
2026
Wann ihre Freundschaft begonnen hat, können Selina Egle und Lara
Kipp nicht mehr genau sagen. „Schon ewig“, sagt Kipp. Sie waren in
derselben Schule in Innsbruck. Und sind beide gerodelt. Dass sie
eines Tages gemeinsam rodeln würden, hätten sie sich nie träumen
lassen. Denn im Doppel durch die Eisrinnen zu rasen, das stand
absolut nicht auf dem sportlichen Plan. Bei den Trainern allerdings
schon. „Zuerst wurden wir gemeinsam auf ein Zimmer geschickt, erzählt
Unterfrau Kipp, „danach wurden wir überredet, gemeinsam Doppel zu
fahren.“ Weil auch der Größenunterschied – Egle ist 1,84 Meter groß,
Kipp 1,63 Meter – ideal für ein Doppel ist. Vorderfrau Egle ergänzt:
„Für die Youth Olympic Games haben sie ein Doppel gebraucht.“
Und was sie für ein Doppel bilden. 2024 wurden sie in Altenberg
Weltmeisterinnen. Den Titel konnten sie im vergangenen Winter in
Whistler verteidigen, gemeinsam mit Thomas Steu und Wolfgang Kindl
holten sie noch Gold im Mixed-Wettbewerb. Dazu kommen drei EM-Titel
im Damen Doppel und in der Teamstaffel sowie der Sieg des
Gesamtweltcups in der vergangenen Saison. Insgesamt 16 Weltcup-Rennen
konnten die beiden Österreicherinnen als Siegerinnen beenden. Und
führen damit das Ranking knapp vor ihren deutschen
Dauerkonkurrentinnen Jessica Degenhardt und Cheyenne Rosenthal (14)
an.
Obwohl die Chemie zwischen Selina Egle und Lara Kipp von Anfang
an gestimmt hat, ließ der sportliche Erfolg dann doch etwas auf sich
warten. Was auch an Degenhardt lag, die mit ihrer damaligen Unterfrau
Vanessa Schneider die ersten Olympischen Jugendspiele 2020 in der
Schweiz gewonnen hat und dann mit Cheyenne Rosenthal erste
Weltmeisterinnen im Damen Doppel wurden.
Nach und nach haben die beiden 23-jährigen Österreicherinnen –
Kipp ist drei Monate älter als Egle – sich selbst und dazu die Bahnen
kennengelernt. Seitdem klappt’s. „Vom Material waren wir schon immer
gut aufgestellt“, erläutert Egle, „und die Kommunikation mit den
Trainern klappt sehr gut.“
Tägliches Training, ständiges Reisen, Stress im Eiskanal –
natürlich benötigen zwei Freundinnen wie Selina Egle und Lara Kipp
einmal ein wenig Abstand. Aber nicht allzu lange. „Wir sehen uns auch
außerhalb des Trainings“, sagt Egle. Etwa zum Eis essen in Innsbruck.
Nach der Saison steht auch Snowboard fahren auf dem Programm. Oder
sie fahren gemeinsam in Urlaub. Zypern war das letzte Ziel. Nur ein
Hobby will Selina Egle nicht mit ihrer Sportpartnerin teilen: Puzzle
zusammenbauen. „Seit Corona baue ich die zusammen mit meiner Mama“,
verrät Kipp. Das größte bislang hatte 9000 Teile und ergab ein Bild
in der Größe zwei auf 1,20 Meter.
Während das Team Österreich im Einzel der Damen und Herren und
beim Herren Doppel über eine große Leistungsdichte verfügt, sind
Selina Egle und Lara Kipp im Damen Doppel meistens die
Alleinunterhalter. „Es fehlt definitiv noch ein zweites Doppel, damit
man sich gegenseitig pushen kann“, klagt Egle, „aber wir kennen es
nicht anders und versuchen, uns mit den Männern zu messen.“ Dadurch
wüssten sie vor der Saison nicht, wo sie stehen. Doch die
Orientierung an den Herren brachte sie stets weit nach vorne.
Vorne werden sie auch bei den Olympischen Spielen in Cortina
d’Ampezzo erwartet. Dass sie als Favoriten in die Rennen im „Cortina
Sliding Centre“ gehen werden, ist für beiden noch in weiter Ferne.
„Wenn ich jetzt schon daran denke, verkopfe ich mich nur“, sagt Kipp.
Und Egle ergänzt: „Man kann sich ohnehin nicht zu 100 Prozent auf
dieses Großereignis vorbereiten. Olympia findet nur alle vier Jahre
statt. Das macht den Druck schon noch einmal größer, weil man ja
denkt: ,Ich habe danach erst in vier Jahren wieder die Chance.'“
Dabei hatten Selina Egle und Lara Kipp mit einer Teilnahme, ein
Traum seit Kindertagen, an Olympischen Spielen nicht mehr gerechnet.
Kurz vor den Youth Olympic Games 2020 in Lausanne hatte sich Egle das
Bein gebrochen. Nichts war’s mit einem Start für die großen
Favoritinnen. „Dann wurde 2022 das Damen Doppel ins olympische
Programm aufgenommen, deswegen ist der Traum wieder da“, sagt Kipp
mit einem breiten Lachen im Gesicht. „Hoffentlich geht jetzt der
Kindheitstraum in Erfüllung, dass wir teilnehmen dürfen“, ergänzt
Egle. Noch ist sie vorsichtig. Eine Verletzung hat die Beiden einmal
gehindert. Das soll nicht nochmal vorkommen.
Schade finden sie allerdings, dass die Entscheidung über Gold,
Silber und Bronze im Doppel nur in zwei Läufen stattfindet und nicht
in vier wie bei den Einzeln. „Dadurch hat der Wettbewerb keinen
eigenen Charakter. Ich würde mir wünschen, dass sich das ändert“,
fordert Egle. Ob zwei oder vier Durchgänge – das Ziel von Selina Egle
und Lara Kipp ist klar. Beide sagen unisono: Man will immer ganz oben
stehen. Gold würde schon besser aussehen.“




