Wien (OTS) – Mit der ersten Briefbombenserie im Dezember 1993 beginnt
eine nie
dagewesene Jagd der österreichischen Polizei auf ein Phantom. Gesucht
wird ein Bombenleger, der die Bevölkerung in Atem hält. Die
mysteriösen Sprengsätze gehen anfangs an Promis aus Politik und
Gesellschaft, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Später werden die
slowenische Volksgruppe in Kärnten und eine Roma-Gemeinde im
Burgenland zum Ziel der Anschläge. Vier Menschen sterben, 15 werden
zum Teil schwer verletzt. Jahrelang tappt die Polizei im Dunkeln.
Erst im Oktober 1997 kann der Bombenbauer durch Zufall verhaftet
werden. Es handelt sich um den Steirer Franz Fuchs aus dem kleinen
Ort Gralla. Bis heute halten sich Spekulationen über etwaige Mittäter
des verkappten, rassistisch motivierten Sonderlings. Der
psychopathische Techniker hatte sich nach persönlichen
Schicksalsschlägen in Wahnvorstellungen geflüchtet. Durch den Krieg
im ehemaligen Jugoslawien und die Balkan-Flüchtlingswelle nach
Österreich wurde seine Fremdenfeindlichkeit noch größer. Die neue
„Menschen & Mächte“-Dokumentation „Die Bomben des Franz Fuchs.
Rechter Terror in Österreich“ von Georg Ransmayr und Gregor
Stuhlpfarrer lässt am Mittwoch, dem 8. Juli 2026, um 22.30 Uhr in ORF
2 und auf ORF ON die wichtigsten Schlüsselpersonen in einem der
größten Kriminalfälle der Zweiten Republik zu Wort kommen. Letzte
Geheimnisse werden gelüftet, etwa dass Fuchs die Briefbomben-
Sonderkommission der Polizei observierte.
Um 23.25 Uhr befasst sich „Menschen & Mächte“ in Gregor
Stuhlpfarrers Dokumentation „Im Schatten der RAF. Linker Terror in
Österreich“ mit dem politischen Klima in der Spätphase des Kalten
Kriegs und den Hintergründen der Plamers-Entführung.
Menschen & Mächte: „Die Bomben des Franz Fuchs. Rechter Terror in
Österreich“
Das Krankenhaus Wagna bei Leibnitz, am 2. Oktober 1997: Der
Kriminalist Kurt Linzer, ein junger Briefbomben-Sonderermittler,
trifft erstmals auf den damaligen Staatsfeind Nummer 1. Jenen Mann,
den die Polizei seit Dezember 1993 fieberhaft sucht: Franz Fuchs. In
einem hermetisch abgeriegelten Teil des Krankenhauses sitzt Linzer am
Bett des 46-Jährigen, der sich bei der Verhaftung tags zuvor in
selbstmörderischer Absicht beide Hände weggesprengt hat. In den
nächsten Wochen und Monaten wird Fuchs von Kurt Linzer und
Untersuchungsrichter Erik Nauta einvernommen. Fuchs wird dabei
mehrmals in Tränen ausbrechen, er wird technische Details
preisgegeben, vieles abstreiten und sich oft auf die „Bajuwarische
Befreiungsarmee“, eine letztlich fiktive rechtsextreme
Untergrundorganisation, ausreden. „Er versuchte, seine Ideen und
seine Motive immer so darzustellen, als sei er das eigentliche
Opfer“, so Kurt Linzer über die Verhöre.
Heute weiß man, dass Fuchs die verheerende Bombe von Oberwart im
Februar 1995 deponiert hat, weil er es nicht verkraften konnte, dass
die Behörden die BBA-Bekennerschreiben lange nicht ernst genommen und
stur gegen unbeteiligte Neo-Nazis ermittelt hatten. „Es war
tatsächlich so, dass anfangs mit Scheuklappen in eine bestimmte
Richtung ermittelt wurde“, sagt Ex-Innenminister Karl Schlögl über
seine Amtsvorgänger. Der Anschlag von Oberwart wird zum traurigen
Höhepunkt der Brief- und Rohrbombenserie. Bei den Opfern handelt es
sich um vier Männer, die nachts Nachschau gehalten hatten, und beim
Versuch, ein Schild mit der Aufschrift „Roma zurück nach Indien“ zu
entfernen, von der Sprengfalle getötet wurden. Tragisch endet der
Versuch des Polizisten Theo Kelz, der 1994 eine Rohrbombe am
Klagenfurter Flughafen durchleuchten wollte. Die Bombe detonierte und
riss Kelz beide Hände weg. „Es war von Anfang an eine seltsame
Wendung des Schicksals, dass ein Opfer von Franz Fuchs beide Hände
verliert und Franz Fuchs später auch seine eigenen“, sagt die
damalige ORF-Journalistin Andrea Puschl, die den Fuchs-
Gerichtsprozess begleitet hat. Der Wiener Bürgermeister Helmut Zilk
verliert durch eine Briefbombe mehrere Finger, die
Flüchtlingshelferin Maria Loley aus dem niederösterreichischen
Weinviertel wird ebenso verletzt wie ORF-Moderatorin Silvana Meixner
oder der Hartberger Stadtpfarrer August Janisch. Letzterer erinnert
sich noch gut an die Zeit nach der Verurteilung von Franz Fuchs im
März 1999: „Damals ist wirklich ein Durchatmen möglich geworden, so
nach dem Motto: Jetzt liegt endlich alles auf dem Tisch.“
Trotzdem halten sich bis heute Stimmen, die davon überzeugt sind,
dass Franz Fuchs nicht allein für den Bombenterror von rechts
verantwortlich ist. „Ich glaube, dass Franz Fuchs Mittäter hatte“, so
die einstige Grünen-Chefin Madeleine Petrovic, die zu den
Zielpersonen der Fuchs-Attentate gehörte. Ingo Wieser, der technische
Gutachter beim Fuchs-Prozess, legt nach: „Meiner Meinung nach gab es
eine Gruppe aus drei bis vier Personen, wobei Franz Fuchs der
Bombenbauer war.“ Reinhard Haller, der psychiatrische Prozess-
Gutachter, lässt das nicht gelten: „Ich bin nachträglich zur festen
Überzeugung gekommen, dass Fuchs ein Alleintäter war. Franz Fuchs war
der Meinung, dass man alles selbst perfekt können muss, dass anderen
immer Fehler passieren und dass eine Gruppe immer verschiedene
Gefahrenmomente hat.“
Für die neue „Menschen & Mächte“-Dokumentation haben die Doku-
Gestalter Georg Ransmayr und Gregor Stuhlpfarrer noch einmal alle
Schlüsselpersonen aus Polizei, Medien sowie einzelne Opfer zum
Interview gebeten. Zentrale Aussagen von Franz Fuchs, die auf
Hunderten Verhörprotokollseiten erhalten sind, wurden mit Hilfe von
KI-Anwendungen akustisch nachgebildet. Außerdem wurden die
spannendsten Fernseh- und Radioberichte aus dem multimedialen ORF-
Archiv eingesetzt, um auch das politisch aufgeheizte Umfeld des
rechten Terrors der 1990er Jahre zu dokumentieren.
Menschen & Mächte: „Im Schatten der RAF. Linker Terror in
Österreich“
Bombenanschläge, Flugzeugentführungen und Lösegelderpressungen:
In den 1970er Jahren wollen linksextreme Gruppen in Westeuropa einen
Systemwechsel erzwingen. Um Geld für den politischen Kampf zu
beschaffen, wird 1977 einer der reichsten Österreicher gekidnappt:
Walter Palmers, Chef des gleichnamigen Textilkonzerns mit einem
Privatvermögen von mehreren 100 Millionen Schilling. Fast 50 Jahre
danach befasst sich die „Menschen & Mächte“-Dokumentation „Im
Schatten der RAF – Linker Terror in Österreich“ von Gregor
Stuhlpfarrer mit den Hintergründen der Entführung.
In der Spätphase des Kalten Kriegs jagen linksextreme Kommandos
Politikern und Industriellen Angst ein. Österreich wird dabei zum
Rückzugsgebiet für die westdeutsche Terrorszene. Wie es dazu kam,
schildert die deutsche „Palmers-Entführerin“ Gabriele Rollnik, damals
Mitglied der linksextremen „Bewegung 2. Juni“. Ex-Innenminister Karl
Blecha, der ehemalige Nationalratsabgeordnete Peter Pilz, die
Schriftstellerin Marlene Streeruwitz und die Schwester eines
Mittäters aus Vorarlberg beleuchten, wie sich junge Männer aus der
Provinz in Wien radikalisierten.


