Wien (OTS) – Die Creative Industries bleiben trotz schwieriger
gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen ein zentraler Pfeiler des
Wirtschaftsstandorts Österreich. Das zeigt der neue
Kreativwirtschaftsbericht 2026, der regelmäßig im Auftrag des
Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus sowie der
Wirtschaftskammer Österreich erstellt wird, die Entwicklung der Jahre
2023 und 2024 analysiert und einen Ausblick auf das Jahr 2026 gibt.
Rund 80.200 Unternehmen mit über 214.000 Beschäftigten sind den
Creative Industries zuzuordnen. Sie erwirtschafteten zuletzt einen
Jahresumsatz von rund 31,3 Milliarden Euro. Zwar entspricht dies
einem nominalen Rückgang von rund 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr,
bereinigt um die Branche Herstellung von Münzen, Schmuck und
ähnlichen Erzeugnissen ergibt sich jedoch ein Umsatzplus von 3,8
Prozent im Jahr 2023.
Gemessen an der Anzahl der Unternehmen entfallen 13,3 Prozent
aller Betriebe in Österreich auf die Creative Industries. Bei
zentralen Kennzahlen wie Umsatzerlösen, Bruttowertschöpfung und
Bruttobetriebsüberschüssen liegt ihr Anteil bei rund 3 bis etwas mehr
als 4 Prozent der Gesamtwirtschaft. Wien bildet das Zentrum der
Kreativwirtschaft: 37 Prozent aller Unternehmen sind hier
angesiedelt, zudem werden mehr als die Hälfte der Umsätze der
Creative Industries in der Bundeshauptstadt erwirtschaftet.
Die wichtigsten Teilbereiche nach Unternehmensanzahl sind der
Kunstmarkt mit rund 25.600 Unternehmen, gefolgt von der Werbung mit
rund 16.800 Unternehmen. Bezogen auf die Beschäftigung ist Software &
Games mit knapp 55.000 Beschäftigten die größte Branche, gefolgt vom
Kunstmarkt (rund 46.000 Beschäftigte) und der Werbung (rund 39.000
Beschäftigte).
Zwtl.: Kleinteilige Struktur, hohe Flexibilität, große volkswirtschaftliche
Wirkung
Charakteristisch für die Creative Industries ist ihre
kleinteilige Unternehmensstruktur. Die durchschnittliche
Betriebsgröße liegt bei drei Beschäftigten (Gesamtwirtschaft: sechs),
76 Prozent der Unternehmen sind Ein-Personen-Unternehmen. Rund zwei
Drittel der Betriebe erzielen Jahresumsätze von bis zu 50.000 Euro,
etwa 23.300 Selbstständige erwirtschaften weniger als 10.000 Euro
Jahresumsatz.
Da die Creative Industries überwiegend im Dienstleistungsbereich
tätig sind, ist der Personalaufwand mit 26 Prozent deutlich höher als
in der Gesamtwirtschaft (18 Prozent). Auch der Teilzeitanteil liegt
mit 43 Prozent deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt
(33 Prozent).
In Bezug auf Gleichstellung zeigen sich deutliche Unterschiede
zwischen den Teilbranchen. Der Frauenanteil an der
Gesamtbeschäftigung liegt bei 44 Prozent und damit über dem
Durchschnitt der Gesamtwirtschaft. Besonders hoch ist er in den
Bereichen Buch & Verlag, Design und Werbung, während Software & Games
sowie die Musikwirtschaft unterdurchschnittliche Anteile aufweisen.
Auch bei selbstständig tätigen Frauen bestehen große
branchenspezifische Unterschiede.
Zwtl.:
Zwtl.: Entwicklung 2024: Kreativwirtschaft robuster als die
Gesamtwirtschaft
Die Jahre 2023 und 2024 waren in Österreich von einer Rezession
geprägt. Für 2024 zeigt sich jedoch, dass sich die Creative
Industries robuster als die Gesamtwirtschaft entwickeln: Bei einem
leichten Anstieg der Unternehmensanzahl um 0,1 Prozent ging die
Beschäftigung nur um 0,2 Prozent zurück (Gesamtwirtschaft: –0,5
Prozent). Die Umsätze sanken um 0,6 Prozent, gegenüber –1,8 Prozent
in der Gesamtwirtschaft. Bereinigt um die Branche Herstellung von
Münzen, Schmuck und ähnlichen Erzeugnissen beträgt der Umsatzrückgang
lediglich 0,4 Prozent.
Gleichzeitig zeigt die aktuelle Sonderauswertung des
Wirtschaftsbarometers der Creative Industries eine spürbare
Eintrübung der wirtschaftlichen Stimmung. Rund 34 Prozent der
Unternehmen berichten von Umsatzrückgängen, 13 Prozent von einer
schwächeren Auftragslage. Der Ausblick für die kommenden zwölf Monate
bleibt verhalten: 34 Prozent erwarten steigende Umsätze, 25 Prozent
rechnen mit Rückgängen. 62 Prozent planen Investitionen, vor allem
zur Deckung von Ersatzbedarf, während knapp 30 Prozent derzeit auf
Investitionen verzichten.
Zwtl.: Wirtschaftsklima 2026: Creative Industries weniger
pessimistisch als gewerbliche Wirtschaft
Die Mehrheit der Unternehmen erwartet für 2026 eine
Verschlechterung des allgemeinen Wirtschaftsklimas. Die Creative
Industries zeigen sich dabei weniger pessimistisch als die
gewerbliche Wirtschaft ohne Creative Industries: 35 Prozent der
Creative Industries rechnen mit einer Verschlechterung, in der
gewerblichen Wirtschaft sind es 39 Prozent. Eine Verbesserung
erwarten 25 Prozent der Creative Industries, gegenüber nur 11 Prozent
in der gewerblichen Wirtschaft ohne Creative Industries.
Beim eigenen Unternehmen erwarten 25 Prozent der Creative
Industries eine Umsatzsteigerung, während 35 Prozent mit einem
Rückgang rechnen. Auch bei Auftragslage, Beschäftigung und
Investitionsvolumen bleibt der Ausblick verhalten, wobei Innovation
und Digitalisierung die zentralen Motive für geplante
Neuinvestitionen darstellen. 43 Prozent der Creative Industries
exportieren Waren oder Dienstleistungen; unter den exportierenden
Betrieben erwarten 39 Prozent steigende Exportumsätze im Jahr 2026.
Zwtl.: Zehetner: Kreativwirtschaft ist zentraler Impulsgeber für
Österreichs Zukunft
Elisabeth Zehetner, Startups-Staatssekretärin, betont die
strategische Bedeutung der Branche: „Die Kreativwirtschaft ist kein
Randphänomen, sie ist ein zentraler Impulsgeber für die
wirtschaftliche Zukunft Österreichs. Sie verbindet unternehmerischen
Mut mit kultureller Vielfalt, technologischem Fortschritt und
nachhaltiger Wertschöpfung. Mit mehr als 80.000 Unternehmen und über
214.000 Beschäftigten zeigt sie eindrucksvoll, wie stark kreative
Leistung zur Innovationskraft und Beschäftigung unseres Landes
beiträgt. Jeder achte Betrieb in Österreich ist Teil dieser Branche –
ihr Anteil von rund drei Prozent am Bruttoinlandsprodukt
unterstreicht ihre volkswirtschaftliche Bedeutung.“ Gerade die
Struktur der Branche mache ihre Stärke aus, so Zehetner weiter: „Die
Kreativwirtschaft ist kleinteilig organisiert, hochflexibel und
außergewöhnlich anpassungsfähig. Diese Dynamik ermöglicht es, neue
Ideen rasch in marktfähige Lösungen zu übersetzen. Zugleich zeigt sie
klar, wo gezielte Unterstützung notwendig ist – insbesondere bei
Wachstum, Finanzierung und langfristiger Stabilität.“ Mit Blick auf
die aktuelle Konjunkturlage stellt Zehetner klar: „Auch in einem
wirtschaftlich herausfordernden Umfeld beweist die Kreativwirtschaft
ihre Resilienz. Trotz nominaler Umsatzrückgänge bleibt sie ein
verlässlicher Innovationsmotor. Mit dem Innovationsprogramm
Kreativwirtschaft 2030 setzen wir gezielt Maßnahmen, um kreative
Unternehmen zu stärken, Innovationsprozesse zu beschleunigen und
Österreich als attraktiven Standort für kreative Wertschöpfung weiter
auszubauen.“
Zwtl.: Maßnahmen zur Unterstützung der Kreativwirtschaft
Die Bundesregierung stärkt die Kreativwirtschaft entlang der
gesamten Innovationskette, von der Gründung bis zur
Internationalisierung, und verankert sie gezielt in den
Querschnittsmaßnahmen der Industriestrategie Österreich 2035. Über
die aws werden Kreativunternehmen frühzeitig (aws First Incubator)
sowie beim Übergang zu skalierbarem, impact-orientiertem Wachstum (
aws Innovative Solutions Preseed/Seed) unterstützt. Flankierend wird
das Ökosystem durch den Aufbau des EIT Culture & Creativity KIC in
Wien sowie EU-Projekte wie Label4Future gestärkt, ergänzt durch
klassische aws-Instrumente wie Kredite, Garantien und Beteiligungen.
Im Medienbereich setzt die Republik mit ABA / FILM in AUSTRIA und
FISAplus (2026: 50 Millionen Euro) gezielte Impulse für
internationale Sichtbarkeit und Wertschöpfung. Ergänzend werden
Digitalisierungsinvestitionen über KMU.DIGITAL gefördert. Strategisch
bilden das Innovationsprogramm Kreativwirtschaft 2030 und der
Creative Industries Rat den Rahmen für Technologieeinsatz (u. a. KI),
Entbürokratisierung und Positionierung. Die Industriestrategie 2035
liefert zusätzliche Hebel, von KI- und Dateninnovation über
Technologietransfer und geistiges Eigentum bis hin zu Sandboxes und
innovationsorientierter öffentlicher Beschaffung, und eröffnet damit
insbesondere kleinteiligen Kreativbetrieben neue Marktchancen und
Skalierungsperspektiven.
Zwtl.: Stimmen aus Wirtschaftskammer und Kreativwirtschaft
„Die Kreativwirtschaft ist eine zentrale Triebkraft der
Transformation: Sie treibt Innovation, eröffnet neue Märkte und macht
Unternehmen widerstandsfähig in Zeiten des Wandels. Wer Österreichs
Wettbewerbsfähigkeit sichern will, muss die Creative Industries als
systemrelevanten Teil unseres Innovationssystems stärken. Die
Wirtschaftskammer Österreich setzt hier konsequent an – mit wirksamen
Programmen und starken Partnerschaften“, so WKÖ-Vizepräsidentin
Angelika Sery-Froschauer.
Gerin Trautenberger, Vorsitzender der Kreativwirtschaft Austria
und Studienautor, ergänzt: „Die österreichische Kreativwirtschaft ist
ein Ökosystem der Vielfalt – getragen von Kleinstunternehmen, die mit
Flexibilität und Innovationskraft rasch auf neue Trends und Nischen
reagieren. Gleichzeitig ist ihre gesamtwirtschaftliche Bedeutung
enorm: Mit rund 13 Prozent Anteil an allen Unternehmen und etwa 32
Milliarden Euro Wertschöpfung – fast 5 Prozent des BIP – sowie einem
Gesamtproduktionswert von fast 40 Milliarden Euro kann man gemessen
an ihrer Relevanz für die Gesamtwirtschaft von einer kreativen
Infrastruktur sprechen. Gerade deshalb braucht diese kleinteilige
Struktur passgenaue Unterstützung: bessere Zugänge zu Finanzierung,
Wachstumspfaden und langfristiger Stabilität. Kreativwirtschaft
Austria setzt sich dafür ein, die Branche als Schlüsselressource für
Innovation und Transformation zu stärken – national wie
international, durch moderne Rahmenbedingungen und eine konsequente
Einbindung in europäische Innovationsnetzwerke wie das EIT Culture &
Creativity. Denn die Zukunft der Wirtschaft ist kreativ – und sie
braucht starke, vielfältige und mutige Akteure.“
Zwtl.: Kreative Branchen als Brücke zwischen Kultur, Technologie und
Wirtschaft
Die Creative Industries fungieren als Innovationstreiber für
zahlreiche andere Branchen, indem sie neue Technologien, digitale
Geschäftsmodelle und kreative Lösungen in Wirtschaft und Gesellschaft
tragen. Trotz konjunktureller Herausforderungen bleiben sie ein
wesentlicher Wertschöpfungsfaktor, ein Treiber der Triple Transition
(ökologisch, digital, gesellschaftlich) und ein entscheidender
Baustein für einen wettbewerbsfähigen und zukunftsfähigen
Wirtschaftsstandort Österreich.
Zum gesamten Bericht: Kreativwirtschaftsbericht 2026




