Wien (OTS) – – Rund ein Drittel ist gesundheitlich und funktional gut
aufgestellt
– Einsamkeit und Depression sind im hohen Alter weniger verbreitet
als oft angenommen
– Soziale Ungleichheit prägt Gesundheit und Lebensumstände im Alter
deutlich
– Frauen haben mehr Einschränkungen, geringeres Einkommen und höheres
Armutsrisiko
– Digitale Teilhabe: Nur ein Viertel verwendet regelmäßig das
Internet
Die aktuelle vierte Welle der Österreichischen Interdisziplinären
Hochaltrigenstudie (ÖIHS) liefert ein umfassendes Bild der
Lebensrealität von Menschen ab 80 Jahren in Österreich: Trotz
gesundheitlicher Einschränkungen bleibt die Lebenszufriedenheit hoch.
Gleichzeitig werden soziale Unterschiede im Alter deutlich sichtbar –
insbesondere entlang von Bildung, Einkommen und Geschlecht . Die
Ergebnisse basieren auf der vierten Erhebungswelle der
Österreichischen Interdisziplinären Hochaltrigenstudie (ÖIHS), die im
Zeitraum vom Jänner 2023 bis Dezember 2025 von der Österreichischen
Plattform für Interdisziplinäre Alternsfragen (ÖPIA) unter der
wissenschaftlichen Leitung von Georg Ruppe und Andreas Stückler
durchgeführt wurde. „Die Lebensumstände und die Gesundheit von
Menschen im hohen Alter sind enorm vielfältig und von
unterschiedlichsten – durchaus auch beeinflussbaren – Faktoren
abhängig. Gerade ab dem 80. Lebensjahr zeigt sich ein sehr
heterogenes Bild. ‚Die Alten‘ gibt es nicht“, sagt Georg Ruppe ,
Studienleiter der ÖIHS.
Zwtl.: Vielfalt statt stereotype Altersbilder
Rund ein Drittel befindet sich in einem relativ guten
gesundheitlichen Zustand und lebt weitgehend selbstständig. Die große
Mehrheit (knapp 90 Prozent) lebt im eigenen Zuhause, nur rund 8
Prozent in Pflegeheimen. Entsprechend benötigt auch weniger als die
Hälfte Unterstützung im Alltag. Mit 91 Prozent „sehr“ bzw. „eher“
zufriedenen Befragten ist die Lebenszufriedenheit hoch. „Die
Lebensrealität hochaltriger Menschen ist vielfältiger als oft
angenommen – Hochaltrigkeit bedeutet nicht automatisch
Pflegebedürftigkeit. Die hohe Lebenszufriedenheit von 9 von 10
Befragten zeigt, wie stark – und wichtig – Anpassungs- und
Kompensationsmechanismen im Alter sind“, sagt Ruppe .
Zwtl.: Kognitive und psychische Gesundheit
Bei rund der Hälfte der Befragten besteht Demenzverdacht, Frauen
und Personen mit niedriger Bildung sind davon häufiger betroffen.
Trotz gesundheitlicher Herausforderungen ist die psychische Situation
überwiegend stabil: Über 80 Prozent leiden unter keiner Depression,
rund drei Viertel fühlen sich nie einsam. Häufige Einsamkeit betrifft
nur eine kleine Gruppe – vor allem gesundheitlich stark
eingeschränkte, alleinlebende Personen sowie Pflegeheimbewohner.
„Hochaltrige Frauen sind häufiger gebrechlich und multimorbid, was
sich auch in einer geringeren Mobilität und Selbstständigkeit im
Alltag niederschlägt“, so Ruppe .
Zwtl.: Soziale Ungleichheit prägt das hohe Alter
Besonders auffällig sind die Unterschiede entlang von Bildung und
Einkommen. Personen mit niedriger Bildung sind deutlich häufiger
krank, multimorbid und pflegebedürftig: 59 Prozent leiden an mehreren
chronischen Erkrankungen. Menschen mit geringerem Bildungsniveau sind
deutlich häufiger betroffen und Frauen weisen insgesamt schlechtere
Gesundheitswerte auf. „Soziale Ungleichheit wirkt über den gesamten
Lebenslauf, und wie uns die Hochaltrigenstudie sehr deutlich zeigt,
spitzt sich dies im hohen Alter besonders zu“ , erklärt Sonja
Brandtmayer , Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen
Versicherung. Die Studie wurde u. a. vom Wiener Städtischen
Versicherungsverein finanziell unterstützt.
Zwtl.: Armutsrisiko deutlich erhöht
Die finanzielle Situation hochaltriger Menschen in Österreich ist
bei vielen stabil, gleichzeitig zeigt sich ein erhöhtes Armutsrisiko.
Rund 62 Prozent verfügen über ein monatliches Haushaltseinkommen von
über 2.000 Euro, während mehr als ein Fünftel mit weniger als 1.600
Euro auskommen muss. Insgesamt gilt etwa ein Viertel der Hochaltrigen
als armutsgefährdet. „ Besonders Frauen und Personen mit niedriger
Bildung tragen ein deutlich höheres Armutsrisiko im Alter. Geringere
Einkommen, häufigere Verwitwung und weniger soziale Kontakte
verstärken diese Ungleichheit zusätzlich “, so Brandtmayer und
ergänzt: „ Die Ergebnisse der ÖIHS zeigen, wie wichtig Vorsorge schon
in jungen Jahren ist, um seinen Lebensstandard bis ins hohe Alter zu
erhalten.“
Zwtl.: Betreuung in den eigenen vier Wänden bevorzugt
Rund 7 Prozent der Befragten in Privathaushalten nehmen Heimhilfe
in Anspruch, rund 3 Prozent eine 24-Stunden-Betreuung. Im Pflegefall
wird die Betreuung im eigenen Zuhause klar bevorzugt: Rund 44 Prozent
können sich eine 24-Stunden-Betreuung vorstellen, 34 Prozent einen
Umzug in ein Pflegeheim. „Frauen und Personen mit niedriger Bildung
wechseln im hohen Alter häufiger in Pflegeheime. Ein wesentlicher
Grund ist, dass Frauen öfter alleinstehend oder verwitwet sind und
dadurch auf weniger familiäre Unterstützung zurückgreifen können“,
erklärt der Studienleiter.
Zwtl.: Zukunftsthemen Digitalisierung und Wohnen
Die digitale Teilhabe bleibt eine Herausforderung: Rund 40
Prozent nutzen das Internet, aber nur etwa ein Viertel verwendet es
regelmäßig. Auch hier zeigen sich starke Unterschiede nach Bildung
und Geschlecht: Besonders niedrig ist die digitale Nutzung bei Frauen
und Personen mit geringer Bildung. Auch beim Wohnen im Alter zeigt
sich Handlungsbedarf: Rund 27 Prozent haben bereits Anpassungen
vorgenommen, meist jedoch erst bei konkretem Bedarf. Auch wenn die
Bereitschaft zu frühzeitigen Wohnraumadaptierungen tendenziell
zunimmt, werden altersgerechte Adaptierungen meist erst im Anlassfall
und weniger vorausschauend durchgeführt.
Zwtl.: Studiendesign
Im Rahmen der ÖIHS wurden 826 Personen im Alter zwischen 80 und
90 Jahren befragt – sowohl im Rahmen persönlicher Interviews als auch
ergänzend telefonisch. Die Stichprobe umfasst Teilnehmer aus Wien,
Niederösterreich, Steiermark, Salzburg, Tirol und Kärnten und
berücksichtigt sowohl in Privathaushalten lebende Personen als auch
Bewohner von Pflegeheimen.
Die WIENER STÄDTISCHE Versicherung ist die größte
Einzelgesellschaft der internationalen Versicherungsgruppe VIENNA
INSURANCE GROUP AG Wiener Versicherung Gruppe (VIG) mit Sitz in Wien
und ist mit neun Landesdirektionen, 125 Geschäftsstellen und rund
4.000 Mitarbeitern präsent. Weiters verfügt das Unternehmen über eine
Zweigniederlassung in Slowenien. Die WIENER STÄDTISCHE Versicherung
ist eine innovative und verlässliche Partnerin für sämtliche
Kundenbedürfnisse sowohl in privaten Lebenssituationen als auch im
Gewerbe- und Firmenkundenbereich. Aufgrund ihrer Maßnahmen zur
besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurde die Wiener
Städtische als „familienfreundliches Unternehmen“ ausgezeichnet und
zuletzt im Jahr 2024 rezertifiziert.
Die Österreichische Plattform für Interdisziplinäre Alternsfragen
/ ÖPIA wurde 2009 als nationale Wissenschaftsplattform von führenden
österreichischen Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen
gegründet, die sich mit Fragen des Alter(n)s und den Perspektiven der
gesellschaftlichen Alterung befassen. In vielfältigen Initiativen und
Aktivitäten unterstützt die ÖPIA die Kommunikation und den
Wissenstransfer zwischen Wissenschaften, Politik und Öffentlichkeit.
Sie orientiert sich dabei an gesellschaftlich relevanten
Fragestellungen, die in der Epoche des demographischen Wandels alle
Schichten der Bevölkerung und alle Generationen betreffen.
Studie von:
Österreichischen Plattform für Interdisziplinäre Alternsfragen (ÖPIA)
Österreichischen Interdisziplinären Hochaltrigenstudie (ÖIHS)
Unterstützt von:
WIENER STÄDTISCHE Versicherung
Wiener Städtische Versicherungsverein
Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und
Konsumentenschutz
Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung
Land Kärnten
Land Salzburg
Das Land Steiermark – Gesundheit und Pflege
Land Tirol


