Halbjahresbilanz: Gründungsrekord bei gemeinnützigen Stiftungen in Österreich

Wien (OTS) – „In den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 wurden
bereits mehr
gemeinnützige Stiftungen neu gegründet als in den gesamten Jahren
2024 oder 2023. Damit steuert Österreich erfreulicherweise auf einen
neuen Gründungsrekord zu. Als Stiftungsstandort sticht eindeutig Wien
hervor. Währenddessen weisen insbesondere die Bundesländer
Burgenland, Kärnten und Vorarlberg die geringste Anzahl an
gemeinnützigen Stiftungen auf“ , gibt Günther Lutschinger,
geschäftsführender Vorstand des Verbandes für gemeinnütziges Stiften
, Einblick.

Wien als Stiftungshauptstadt Österreichs
Gemeinnütziges Stiften liegt im Trend. Nach einem Tiefstand in der
Zeit der Corona-Pandemie, sind die Neugründungen von gemeinnützigen
Stiftungen in den vergangenen Jahren wieder deutlich angestiegen und
bewegen sich 2025 auf einen Höchststand zu. Derzeit sind in
Österreich rund 1.000 gemeinnützige Stiftungen und Fonds für das
Gemeinwohl aktiv – mit einer recht ungleichen Verteilung: Mehr als
die Hälfte aller Stiftungen (54%) haben ihren Sitz in Wien, gefolgt
von Niederösterreich mit 13% und Salzburg mit 8%. Immerhin 5-6% sind
in Oberösterreich, der Steiermark und Tirol ansässig. Kärnten,
Vorarlberg (je 3%) und das Burgenland (2%) bilden die Schlusslichter
im Bundesländervergleich.

Ein Drittel aller österreichischen Stiftungen gemeinnützig
Insgesamt sind in Österreich rund 3.700 Stiftungen eingetragen. Beim
überwiegenden Anteil stehen private Zwecke im Zentrum, doch
mittlerweile verfolgt fast jede Dritte Stiftung ausschließlich oder
überwiegend gemeinnützige Zwecke. Das bedeutet, dass sie Vermögen –
sei es in Form von Geld, Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen –
langfristig gemeinnützigen Zwecken gewidmet haben. Die wichtigsten
Stiftungszwecke in Österreich sind soziale Dienste, Bildung und
Forschung. Deutlich seltener sind Stiftungen, die Kunst und Kultur,
Sport oder Umweltschutz unterstützen. Unter den neu gegründeten
Stiftungen stechen Kultur und Bildung als beliebteste Zwecke hervor.

Verdoppelung bei Neugründungen
Neue gemeinnützige Stiftungen werden hierzulande vorwiegend nach dem
Bundesstiftungs- und Fondsgesetz sowie nach dem Privatstiftungsgesetz
gegründet – Landesstiftungen verlieren somit zunehmend an Bedeutung.
„Die Zahl der Bundes- und Privatstiftungen stieg in den vergangenen
Jahren jeweils um rund zwei Prozent, im ersten Halbjahr 2025 bereits
um drei Prozent. Hält dieser Trend an, so werden heuer
voraussichtlich bis zu 25 neue Stiftungen gegründet – doppelt so
viele wie in den Jahren davor“ , skizziert Lutschinger die äußerst
positive Entwicklung und kritisiert gleichzeitig den ineffizienten
Wirrwarr an Behördenwegen, die für eine Stiftungsgründung nötig sind.
Anders als bei Vereins- oder GmbH-Gründungen, müssen nach derzeitiger
Gesetzgebung drei verschiedene Behörden bei einer Stiftungsgründung
aktiv werden (Landesstiftungsbehörden, Finanzamt und Finanzprokuratur
). Insbesondere bei Bundesstiftungen nimmt der Gründungsprozess
dadurch mehrere Monate in Anspruch, was laut Lutschinger viele
Philanthropinnen und Philanthropen davon abhält, eine gemeinnützige
Stiftung zu initiieren. „Keine Stifterin bzw. kein Stifter versteht,
warum für die nachhaltige Widmung von Vermögen für gemeinnützige
Anliegen nicht eine Behörde ausreicht“ , fordert Lutschinger die
Regierung auf, sinnlose Bürokratie und Doppelgleisigkeiten abzubauen.

Stiftungen als tragende Säule des Dritten Sektors
Aktuell investieren gemeinnützige Stiftungen rund 120-130 Mio. Ꞓ pro
Jahr in die Unterstützung gemeinwohlorientierter Projekte. Das
entspricht etwa 12% aller in Österreich geleisteten Spenden. Während
klassische Spendenorganisationen jedes Jahr erneut ihre Projekte
durch Fundraising finanzieren müssen und nur sehr begrenzte Rücklagen
bilden dürfen, bietet die Stiftungsstruktur den großen Vorteil, dass
Stiftungen Ausschüttungen aus der Verwaltung des Stiftungsvermögens
erzielen können. Das ermöglicht langfristige Finanzierungszusagen und
trägt zur nachhaltigen Absicherung von Projekten bei.
Mehr zum gemeinnützigen Stiften in Österreich: www.stiften.at