Wien (OTS) – Anlässlich des Europäischen Protesttags zur
Gleichstellung von
Menschen mit Behinderungen am 5. Mai setzen führende
Sozialorganisationen und Unternehmen ein starkes Signal für mehr
gesellschaftliche Teilhabe. Sie gründen das erste, österreichweite
„Bündnis für Inklusion am Arbeitsmarkt – Chancenreich“. Ihr
gemeinsames Ziel: Inklusion am Arbeitsmarkt zur österreichweiten
Selbstverständlichkeit zu machen.
Unter dem Dach des neuen Bündnisses vereinen sich Organisationen
und Dachverbände wie Caritas Österreich, Dachverband Berufliche
Inklusion-Austria (dabei-austria), Diakonie Österreich, KOBV
Österreich, Lebenshilfe Österreich, ÖZIV und Zero Project mit
Unternehmen – Großkonzerne, KMUs und kleine Betriebe – wie Betonwerk
Jungwirth, IKEA Österreich, Interspar, Kapsch TrafficCom, Post AG,
Primark, Sedlak Bau, Stimpfl Textil Care, tristar Hotels, MyAbility,
Responsible Annotation, REWE Group, UNIQA, Wesenufer Hotel, Würth
Hochenburger. Allesamt stellen Menschen mit Behinderungen an. Deren
konkrete Lebensgeschichten und Fallbeispiele zeigen: Berufliche
Inklusion – auch von Menschen mit höherem Assistenzbedarf – ist
möglich, doch es braucht entsprechende Unterstützung und Begleitung,
denn aktuell sind nur 15 % der Menschen mit Behinderungen in
Österreich erwerbstätig. Kürzungen in diesem Bereich sind der falsche
Weg.
Zwtl.: Inklusion am Arbeitsmarkt – ein Mehrwert für alle
Menschen mit Behinderungen wollen selbstständig leben und
arbeiten. Philippe Narval, Generalsekretär der Lebenshilfe Österreich
und Mitinitiator des Bündnisses, bringt es auf den Punkt: „Jeder in
berufliche Teilhabe und inklusive Berufsbildung investierte Euro
schafft Chancen, fördert Selbstbestimmung und stärkt nachhaltig
Wirtschaft, Gesellschaft und Menschen mit Behinderungen. Lohn statt
Taschengeld muss Realität werden!“
Zahlreiche Unternehmen in unterschiedlichsten Branchen schätzen
Menschen mit Behinderungen als wertvolle Teammitglieder. So wie Lina
Kasapoglu, Inhaberin des Café Insieme in der Stadtgalerie in Schwaz
in Tirol. Sie hat sich dazu entschieden, Verena Köll, eine Frau mit
intellektueller Behinderung, in ihrem Betrieb anzustellen, und
betont: „Jeder Mensch hat eine Probezeit verdient. Wenn ich jetzt die
Verena sehe, sehe ich einen anderen Menschen. Sie ist hineingewachsen
in den Job, aber sie hat die Zeit und vor allem die Begleitung am
Anfang gebraucht. Menschen mit Behinderungen wollen ihr eigenes Geld
verdienen und sind stolz darauf.“
Für Verena Köll, die vom inklusiven Restaurant Pippilotta – einem
Ausbildungsbetrieb – auf den regulären Arbeitsmarkt in das Café
gewechselt ist, sind vor allem der Lohn und die damit einhergehende
Selbstständigkeit zentrale Faktoren: „Mein Leben hat sich total
verändert. Das Wichtigste ist, ich kann mit der Bankomatkarte zum
Bankomaten gehen. Für mich ist das die größte Veränderung. Aber auch
die Ausbildung in der Pippilotta in Innsbruck war wichtig für mich;
dort habe ich Selbstvertrauen gewonnen.“
Zwtl.: Erfolgreiche Inklusion braucht professionelle Begleitung
Der Übergang aus einer Tagesstruktur oder aus der Schule in den
regulären Arbeitsmarkt gelingt vielen Menschen mit Behinderungen in
der Regel nicht ohne gezielte Unterstützung. Entscheidend ist eine
professionelle Begleitung, sowohl für die Arbeitnehmer:innen als auch
für die Arbeitgeber:innen. Sozialorganisationen in ganz Österreich
unterstützen bei der Einarbeitung, begleiten bei Herausforderungen im
Arbeitsalltag und stehen langfristig mit kompetenten Ansprechpersonen
zur Verfügung.
„Ein inklusiver Arbeitsmarkt ist volkswirtschaftliche
Notwendigkeit. Statt Sonderstrukturen braucht es reguläre
Beschäftigung. NEBA-Angebote und andere arbeitsmarktpolitische
Projekte, finanziert durch Bund und Länder, zeigen: Mit gezielter
Unterstützung gelingt Teilhabe am ersten Arbeitsmarkt – im Interesse
von Menschen, Wirtschaft und Gesellschaft.“ Andreas Jesse, Vorstand
Dachverband Berufliche Inklusion-Austria (dabei-austria)
Zwtl.: Was jetzt zu tun ist
Trotz positiver Beispiele – Lebensgeschichten und Videos finden
sich auf www.chancenreich.at – sind Menschen mit Behinderungen am
Arbeitsmarkt nach wie vor strukturell benachteiligt. Ihre
Arbeitslosenquote liegt deutlich über dem Durchschnitt, ihre
Beschäftigungschancen sind erheblich geringer.
„Dass Menschen mit Behinderungen deutlich stärker von Armut
bedroht sind als die Durchschnittsbevölkerung, ist ein klares
Alarmsignal: In unserer Gesellschaft haben nicht alle die gleichen
Chancen. Die Zahlen und die Erfahrungen Betroffener zeigen deutlich,
dass Österreich im Sinne der Menschenrechte noch erhebliche
Anstrengungen unternehmen muss, um einen wirklich inklusiven
Arbeitsmarkt zu schaffen“, betont Anna Parr, Generalsekretärin der
Caritas Österreich.
Die folgenden Forderungen des Bündnisses für Inklusion am
Arbeitsmarkt werden am 5. Mai 2026 an die Bundesregierung und die
Landesregierungen gestellt:
1. Stabil finanzieren statt kürzen
Berufliche Inklusion braucht eine verlässliche, von
Konjunkturschwankungen unabhängige Finanzierung. Kürzungen bei
Programmen zur Qualifizierung, Vermittlung und Begleitung von
Menschen mit Behinderung sind teuer, weil sie Arbeitslosigkeit,
Armutsrisiken und Folgekosten erhöhen.
2. Ausgleichstaxfonds sichern
Der Ausgleichstaxfonds (ATF) ist ein zentrales Instrument zur
Finanzierung beruflicher Inklusion und beruflicher Assistenz am
Arbeitsplatz. Er muss langfristig abgesichert und ausreichend dotiert
sein.
3. Gleiche Chancen für alle
Viele Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf arbeiten heute nur
für ein Taschengeld und haben kaum Zugang zu regulärer Beschäftigung.
Nur in vier Bundesländern gibt es Angebote zur beruflichen Inklusion
für diese Gruppe. Diese Angebote müssen überall im Land zur Verfügung
stehen. Auch brauchen diese Menschen ein Rückkehrrecht in
Tagesstrukturen, damit Arbeitsversuche und Übergänge in bezahlte
Beschäftigung ohne Existenzangst möglich sind.
4. Inklusive Bildung und Ausbildung als Fundament
Eine inklusive Schule und Berufsausbildung ist die Grundlage für
spätere Teilhabe am Arbeitsleben. Fehlende Ressourcen, unzureichender
Zugang zu Schulassistenz und Ausgrenzung erschweren den späteren
Einstieg in die Erwerbsarbeit. Es braucht eine politische
Schwerpunktsetzung auf inklusive Bildung und Berufsausbildung.
Zwtl.: Links:
Chancenreich Website
Fotos (Pressekonferenz)


