Wien (OTS) – Sehr geehrter Herr Vizekanzler Babler,
sehr geehrte Frau Bundesministerin Schumann,
sehr geehrter Herr Bundesminister Hattmansdorfer,
sehr geehrter Herr Bundesminister Wiederkehr,
am heutigen Tag des Ehrenamts möchten wir – stellvertretend für
alle freiwillig engagierten Mentorinnen und Mentoren in ganz
Österreich – unseren Appell an Sie richten: Stärken Sie freiwilliges,
soziales Mentoring als zentrale Zukunftsressource unseres Landes.
Österreich zählt zu den engagiertesten Ländern Europas. Jede
zweite Person ab 15 Jahren engagiert sich freiwillig – viele davon
für junge Menschen. Doch ein Bereich bleibt nach wie vor
unterfinanziert, unterrepräsentiert und in seiner gesellschaftlichen
Bedeutung unterschätzt: Mentoring auf Beziehungsbasis.
Eine erwachsene, erfahrenere Person, die einem jungen Menschen Zeit
schenkt, zuhört, stärkt und begleitet – das ist weder ein Luxus noch
ein „Nice-to-have“. Es ist ein zutiefst wirksamer Bestandteil
sozialer Infrastruktur .
Mit diesem offenen Brief richten wir uns daher an Sie alle – mit
einem gemeinsamen Anliegen und spezifischen Erwartungen an Ihre
Ressorts.
Zwtl.: An Vizekanzler Andreas Babler – Bundesminister für Wohnen,
Kunst, Kultur, Medien und Sport
Ehrenamt als Teil unserer gelebten Kultur
Freiwilliges Engagement ist ein kulturelles Gut. Es verbindet
Menschen generationenübergreifend, schafft Räume der Zugehörigkeit
und macht unsere Gesellschaft resilient.
Mentoring verkörpert genau dieses kulturelle Versprechen:
Beziehungen, die tragen, Werte, die verbinden, und gemeinsames
Lernen, das unsere Gesellschaft stärkt.
Wir ersuchen Sie, ziviles Engagement – insbesondere im Kinder-
und Jugendbereich – im kulturpolitischen Rahmen sichtbarer zu
verankern und in der Förderlandschaft eine klare Linie zu schaffen,
die das soziale Ehrenamt, dem sportlichen gleich, als Kulturpraxis
anerkennt und stärkt.
Zwtl.: An Bundesministerin Korinna Schumann – Arbeit, Soziales,
Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
Mentoring als sozialer Schutzfaktor
Junge Menschen stehen vor wachsenden Belastungen: Einsamkeit,
psychische Herausforderungen, fehlende Unterstützungssysteme.
Mentoring wirkt hier präventiv – durch persönliche, stabile
Beziehungen , in denen Vertrauen wachsen kann. Es ergänzt systemische
Angebote, entlastet Fachkräfte und stärkt Kinder und Jugendliche
nachhaltig dort, wo Hilfe selten ankommt: im individuellen Alltag.
Wir fordern, dass soziale Mentoringprogramme als ergänzende
psychosoziale Maßnahme anerkannt und strukturell gefördert werden ,
um Prävention statt Reparaturarbeit möglich zu machen.
Zwtl.: An Bundesminister Wolfgang Hattmansdorfer – Wirtschaft,
Energie und Tourismus
Chancengerecht in die Arbeitswelt starten
Viele junge Menschen scheitern nicht an fehlender Motivation,
sondern an fehlenden Netzwerken und Orientierung.
Mentor*innen vermitteln Perspektiven, öffnen Türen zur Arbeitswelt
und begleiten beim Übergang von der Schule ins Berufsleben – mit
messbaren Erfolgen.
Wir bitten Sie daher, Mentoring als Arbeitsmarkt- und
Fachkräftestrategie mitzudenken:
durch wirksame Förderung von Programmen und Verbänden, die
Jugendlichen den Einstieg erleichtern und Unternehmen ermöglichen,
sich gesellschaftlich wirksam einzubringen.
Zwtl.: An Bundesminister Christoph Wiederkehr – Bildung, Wissenschaft
und Forschung
Eine starke Ergänzung für das Bildungssystem
Mentoring schafft, was Schulen allein nicht leisten können:
Zeit, individuelle Zuwendung und Unterstützung über den Unterricht
hinaus.
Mentor*innen stärken Bildungswege, entlasten Lehrpersonen und fördern
Lernmotivation und Resilienz.
Wir ersuchen Sie, soziales Mentoring als ressourcenstarke
Ergänzung im Bildungssystem zu verankern – als anerkanntes
Kooperationsformat, als sozialpädagogische Unterstützung und als Teil
moderner Bildungsentwicklung.
Zwtl.: Unsere gemeinsame Bitte an die Regierung
Wir laden Sie ein, 1:1 Mentoring als gesellschaftliche
Zukunftsinvestition zu verstehen – und folgende Schritte umzusetzen:
1. Schaffung einer eigenen Förderlinie für Mentoringprogramme , die
bundesweit gilt und Dachverbandsstrukturen inkludiert.
2. Verankerung von Mentoring in relevanten Strategien (Bildung,
Soziales, Jugend, Arbeitsmarkt).
3. Sichtbare Anerkennung des Engagements der Mentor*innen, Pat*innen
und Buddys, die österreichweit freiwillig Kinder, Jugendliche und
junge Erwachsene begleiten.
4. Langfristige Absicherung von Programmen, die nachweislich
Lebenswege positiv beeinflussen.
Zum Tag des Ehrenamts sagen wir allen Mentor*innen DANKE.
Für Ihre Zeit. Ihre Beziehungen. Ihre Wirkung.
Und wir sagen der Politik:
Nutzen Sie dieses Potenzial. Stärken Sie es. Und lassen Sie uns
gemeinsam Zukunft gestalten – Beziehung für Beziehung.
Mit freundlichen Grüßen,
Mentoring Austria
Dachverband für soziales Mentoring in Österreich




