Bau- und Dekorgesteinssammlung des NHM Wien ausgezeichnet

Wien (OTS) – Die Bau- und Dekorgesteinssammlung des Naturhistorischen
Museums Wien
wurde mit dem Titel „IGUS Geocollection“ ausgezeichnet und zählt
somit zu den weltweit wichtigsten erdwissenschaftlichen Sammlungen.

Die International Union of Geological Sciences (IUGS) hat das
Ziel, geologische, paläontologische und mineralogische Sammlungen auf
globalem Maßstab zu evaluieren, zu vernetzen und einem breiten
Publikum bekannt zu machen. Sie verleiht den weltweit wichtigsten
erdwissenschaftlichen Sammlungen das Prädikat “IGUS Geocollection”.
Jüngst ist die Bau- und Dekorgesteinssammlung des NHM Wien mit diesem
Prädikat ausgezeichnet worden.

Für die Definition dieses Standards und die Evaluierung der
Sammlung ist die Subcommission on Geocollections zuständig, eine
Gruppe aus 19 internationalen Fachleuten unter der Leitung von Univ.-
Prof. Mathias Harzhauser, dem Direktor der Geologisch-
Paläontologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien.

Erdwissenschaftliche Sammlungen sind Archive der Geschichte der
Erde. Zugleich sind die Sammlungen von oft hohem kulturellem und
historischem Wert sowie zentrales Mittel für die Vermittlung von
Wissen. In diesem Fall stellt die Bau- und Dekorgesteinssammlung ein
besonderes „Steinarchiv“ der Architekturgeschichte dar und würde
dafür international geehrt.

Die Sammlung besteht hauptsächlich aus Natursteinen (formatiert
und einseitig poliert), enthält aber auch einige künstliche Produkte
wie Stuckmarmor, Ziegel und Dachschindeln. Die Stücke repräsentieren
jene Bau- und Dekorsteine, die in Denkmälern und Gebäuden in
Österreich und, in geringerem Umfang, im Rest der Welt verwendet
wurden. Die Sammlung wurde von Felix Karrer (1825–1903), einem
freiwillig Mitarbeitenden (heute würde man ihn Citizen Scientist
nennen) des NHM Wien, initiiert. Anlass waren die Schenkung eines
Steinkatalogs der Baugesellschaft Union-Baugesellschaft im Jahr 1878
und die Umsetzung der Idee von Eduard Suess (1831–1914), der sich
eine geologisch geordnete Sammlung dekorativer Steine gewünscht
hatte. Die ältesten Stücke stammen aus der Sammlung von Schloss
Ambras bei Innsbruck (16. Jahrhundert). Die Sammlung wächst ständig,
meistens durch Schenkungen von Architektenbüros und Steinmetz*innen.

Die Bau- und Dekorgesteinssammlung ist nach geologischer
Gesteinsart-Klassifizierung, Fundort und Inventarnummer geordnet.
Etiketten und Inventarbücher enthalten Informationen zum
ursprünglichen Steinbruch, Verwendungsort, Schenker oder Verkäufer
und zum Erwerbsjahr. Sie ist einzigartig in ihrer Vollständigkeit
hinsichtlich der Gesteinsquellen der ehemaligen österreichisch-
ungarischen Monarchie. Aufgrund dieser Informationen wird die
Sammlung regelmäßig von Architekt*innen, Kunsthistoriker*innen und
Restaurator*innen konsultiert. Die Sammlung gilt daher als steinerne
Datenbank historischer Gebäude, aber auch als Instrument zur
Einführung der breiten Öffentlichkeit in die Geologie, da die
Exemplare nach ihrer geologischen Herkunft klassifiziert unterteilt
sind.

Repräsentative Stücke der Baugesteinssammlung sind in neun
Vitrinen im Saal I des NHM Wien ausgestellt. Diese Ausstellung wurde
2015 anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Eröffnung der Wiener
Ringstraße renoviert und neu aufgestellt.

Die Sammlung wurde digitalisiert und die Datenbank Europeana
bietet einigen ausgewählten Objekten eine Bühne .

Kuratorin der Bau- und Dekorgesteinssammlung ist Priv.-Doz. Dr.
Lidia Pittarello.

TIPP: Im Rahmen einer BÜHNE-Spezialführung erhalten 15 Gäste
einen seltenen Einblick in diese Bestände. Kuratorin Dr. Lidia
Pittarello führt zunächst durch Saal 1, wo repräsentative Stücke in
neun Vitrinen ausgestellt sind. Anschließend geht es in den
Tiefspeicher, der der Öffentlichkeit sonst nicht zugänglich ist, um
ausgewählte Objekte, ihre Herkunft und ihre Bedeutung als Zeugnisse
historischer Baukunst hautnah zu erleben.

Termin: Mittwoch, 16.09.2026, 18.00 Uhr im Eingangsfoyer, Untere
Kuppelhalle

Eine Anmeldung über [email protected] ist erforderlich.

Pressebilder: https://nhm.px.media/share/1784189178bWuuEi8EQOF6Ft

Weiterführende Links:

https://iugs-geoheritage.org/subcomission-on-geo-collections/
https://iugs-geoheritage.org/geo-collections/building-and-decorative-
stone-collection/

Wissenschaftlicher Rückfragehinweis:

Univ.-Prof. Dr. Mathias Harzhauser
Direktor der Geologisch-Paläontologischen Abteilung, NHM Wien
Tel.: +43 (1) 52177-250 | [email protected]

Priv.-Doz. Dr. Lidia Pittarello
Kuratorin der Petrographischen Sammlung, Wissenschaftliche
Mitarbeiterin in der Mineralogisch-Petrographischen Abteilung, NHM
Wien
Tel.: +43 (1) 52177-270 | [email protected]

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at