Sankt Pölten (OTS) – Rund 50.000 Schülerinnen und Schüler in
Niederösterreich – mehr als
ein Viertel (26 Prozent) – haben laut aktuellem AK-
Nachhilfemonitoring im Schuljahr 2025/26 oder im Sommer davor
Nachhilfe beziehungsweise Lernhilfe erhalten. Beinahe sechs von zehn
davon nahmen bezahlte Nachhilfeangebote in Anspruch. Neben
finanziellen Herausforderungen belastet das zusehends viele Familien:
„Kinder müssen in der Schule jene Unterstützung bekommen, die sie
brauchen – und zwar unabhängig davon, ob ihre Eltern sich Nachhilfe
leisten können oder nach einem Arbeitstag noch Ressourcen haben, beim
Lernen zu helfen“, so AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-
Vorsitzender Markus Wieser.
Insgesamt gaben Eltern in Niederösterreich knapp 23 Millionen
Euro für Nachhilfe aus. Im Schnitt kostete diese pro Schüler:in und
Schuljahr rund 780 Euro. Für mehr als die Hälfte der Familien, die
bezahlte Nachhilfe in Anspruch nahmen, war die finanzielle Belastung
spürbar bis sehr stark. Doch Nachhilfe ist nicht die einzige
Belastung. Immer häufiger wird auch das Lernen selbst in die Familien
verlagert. Sechs von zehn Schüler:innen lernen mindestens einmal pro
Woche gemeinsam mit ihren Eltern, ein Viertel sogar fast täglich. Das
bringt für viele Eltern erhebliche Herausforderungen mit sich: 78
Prozent fühlen sich dadurch zeitlich belastet. 32 Prozent fällt es
schwer, den Lernstoff zu erklären oder Wissen zu überprüfen. 68
Prozent fühlen sich durch unklare Anforderungen bei Schulaufgaben
belastet. Und mehr als zwei Drittel der Betroffenen geben an, dass
das Helfen und Beaufsichtigen beim Lernen zu Ärger und Konflikten in
der Familie führt. „Lernen und Üben muss grundsätzlich in der Schule
und nicht Zuhause stattfinden“, sagt AK Niederösterreich-Präsident
und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser.
Nachhilfe: Immer mehr aus Anlass
Besonders häufig wird Nachhilfe in Mathematik benötigt (69
Prozent), gefolgt von Deutsch (39 Prozent) und Fremdsprachen (16
Prozent). Auffallendes Detail: Nachhilfe wird zunehmend dann in
Anspruch genommen, wenn es darum geht, eine negative Note zu
verhindern (33 Prozent) oder sich auf Entscheidungsprüfungen
vorzubereiten (21 Prozent). Gleichzeitig sinkt der Anteil jener, die
Nachhilfe nutzen, um den Unterrichtsstoff besser zu verstehen von 34
Prozent auf 24 Prozent. Nachhilfe wird damit immer mehr zum
Notfallplan, statt frühzeitig zur Unterstützung eingesetzt zu werden.
Mehr Personal und Ressourcen nötig
Die AK Niederösterreich fordert, Schulen stärker mit Personal und
Ressourcen auszustatten und kostenlose Lernförderung auszubauen.
Schulen mit besonderen Herausforderungen müssen gezielt unterstützt,
Ganztagsschulen und qualitätsvolle Nachmittagsbetreuung ausgebaut
werden. Gleichzeitig braucht es eine finanzielle Entlastung der
Familien und ausreichend Schulbudgets für Lernmaterialien.
Zur Erhebung:
Das Sozial- und Meinungsforschungsinstitut IFES hat im Auftrag
der Arbeiterkammer bundesweit eine repräsentative Studie bei Eltern
von Schulkindern (ausgenommen Berufsschulen, Schulen im
Gesundheitswesen, Akademien) zum Thema „Nachhilfe“ durchgeführt.
Erhebungszeitraum: Mitte März bis Ende Mai 2026
Methode: Telefonische Befragung und Online-Interviews
Stichprobe bundesweit: 4.691 Schulkinder in 3.208 Haushalten
Stichprobe NÖ: 683 Schulkinder in 451 Haushalten
Details zur Studie: https://noe.arbeiterkammer.at/nachhilfekosten


