90.000 Arbeitsplätze und 2,8 Milliarden Euro Steuern: Bildende Kunst als unterschätzter Wirtschaftsfaktor in Österreich

Wien (OTS) – Die Bildende Kunst ist nicht nur ein zentraler
Bestandteil des
kulturellen Selbstverständnisses Österreichs, sondern auch ein
bedeutender Wirtschaftsfaktor. Zu diesem Ergebnis kommt die heute
präsentierte Studie „Wertschöpfung der Bildenden Kunst in
Österreich“, die im Auftrag des Verbands österreichischer Galerien
von den Wirtschaftsforschern Dr. Michael Paul und Dr. Anna Kleissner
(paul und collegen consulting / econmove) erstellt wurde.

Die Untersuchung weist eine durch die Bildende Kunst in
Österreich generierte Gesamt-Bruttowertschöpfung von rund 6,2
Milliarden Euro pro Jahr aus. Darüber hinaus sichert das Ökosystem
der Bildenden Kunst rund 90.000 Arbeitsplätze und generiert jährlich
rund 2,8 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben.

Die Studie zeigt damit erstmals umfassend, dass die Bildende
Kunst weit mehr ist als die Summe von Künstlerinnen und Künstlern,
Museen oder Galerien. Sie bildet ein komplexes wirtschaftliches
Ökosystem, das von Ausbildung und Forschung über Produktion,
Logistik, Kunsthandel und Ausstellungswesen bis hin zu Tourismus,
Kommunikation und zahlreichen Dienstleistungsbranchen reicht.

„Die Bildende Kunst wird in Österreich häufig ausschließlich als
kulturelles Thema wahrgenommen. Die Studie zeigt jedoch, dass sie
zugleich ein relevanter Wirtschafts- und Standortfaktor ist. Wer u
̈ber Kunst spricht, spricht auch über Beschäftigung, Wertschöpfung,
internationale Sichtbarkeit und Steuereinnahmen“, erklärt Martin
Janda, Vorsitzender des Verbands österreichischer Galerien.

Gleichzeitig kommt die Studie zu dem Schluss, dass Österreich
sein wirtschaftliches Potenzial im Bereich der Bildenden Kunst
derzeit nicht ausreichend nutzt. Während das Land über international
anerkannte Künstlerinnen und Künstler, renommierte Museen und eine
hohe kulturelle Attraktivität verfügt, fehlen vielfach koordinierte
Strategien, um daraus stärkere internationale Marktwirkungen zu
erzielen. Dies wäre dringend notwendig, damit die wirtschaftliche
Basis der Bildenden Kunst in Österreich selbst gestärkt wird.

Die Autor:innen empfehlen daher eine gemeinsame Branchenstrategie
für die Bildende Kunst, die Kultur-, Wirtschafts-, Steuer-,
Tourismus- und Stadtentwicklungspolitik stärker miteinander
verbindet. Ziel müsse sein, Österreich als eigenständigen
Kunststandort mit internationaler Strahlkraft weiterzuentwickeln und
vorhandene Stärken besser zu bündeln.

Zu den zentralen Empfehlungen der Studie zählen:
· die Entwicklung einer national abgestimmten Standortstrategie für
die Bildende Kunst,
· die Stärkung eines international sichtbaren Messe- und
Festivalfensters in Österreich,
· eine Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des
österreichischen Kunstmarktes,
· die stärkere Nutzung der Bildenden Kunst als Tourismus- und
Standortfaktor,
· sowie die Verbesserung der steuerlichen und regulatorischen
Rahmenbedingungen im internationalen Vergleich.

Die Studie verweist insbesondere darauf, dass Österreich im
europäischen Wettbewerb zunehmend unter Druck gerät. Bedeutende
Kunsthandelsplätze wie Deutschland, Frankreich oder Luxemburg haben
ihre steuerlichen Rahmenbedingungen zuletzt verbessert, während
Österreich Marktanteile und internationale Sichtbarkeit verliert.

„Die Ergebnisse zeigen klar: Investitionen in die Bildende Kunst
sind nicht nur kulturpolitisch sinnvoll, sondern auch
wirtschaftspolitisch vernünftig. Wer Wertschöpfung, Beschäftigung
und internationale Standortattraktivität stärken möchte, sollte die
Bildende Kunst als Zukunftsbranche sehen“, so Martin Janda.

Die Studie wurde vom Verband österreichischer Galerien mit
Unterstützung von Bildrecht, BMWKMS, Dorotheum, Wirtschaftskammer
Österreich, Wirtschaftsagentur Wien und NÖ Kulturwirtschaft
beauftragt.