Wien (OTS) – Ab 30. Jänner 2026 widmet sich erstmals eine große
Sonderausstellung
im Gartenpalais Liechtenstein der faszinierenden Welt des
Kunstmarkts. Unter dem Titel „Noble Begierden. Eine Geschichte des
europäischen Kunstmarkts“ rücken die Fürstlichen Sammlungen
Liechtenstein jene Akteure, Institutionen, Marktplätze und
Verkaufsstrategien ins Zentrum, die die Entwicklung des Kunsthandels
über Jahrhunderte geprägt haben.
Herausragende internationale Leihgaben – darunter Meisterwerke
von Tizian, Rembrandt, Monet und Klimt – vereinen sich mit
bedeutenden Kunstwerken aus den Fürstlichen Sammlungen, etwa von
Giambologna, Brueghel, Van Dyck und Canaletto , zu einer Ausstellung,
die sowohl historisch als auch visuell beeindruckt.
Die Schau führt von der griechisch-römischen Antike über die
italienischen Stadtstaaten der Renaissance und das Goldene Zeitalter
der Niederlande bis hin zu spektakulären Präsentationen und
transatlantischen Kunstverkäufen im 19. Jahrhundert. Sie zeigt, dass
zentrale Impulse des Kunstmarkts oftmals von bestimmten Städten und
Regionen ausgingen. In Florenz etwa förderten einflussreiche Mäzene
und Institutionen um 1500 die Kunstproduktion, während sich nördlich
der Alpen ein stärker marktorientiertes System etablierte. Im
Antwerpen des 16. Jahrhunderts entstand ein offener Kunstmarkt, auf
dem Künstler und Händler ihre Werke in großer Zahl in sogenannten
„Schilderspanden“ (Malerständen) anboten. In Amsterdam
spezialisierten sich Maler auf bestimmte Bildgattungen und
produzierten effizient für eine breite Käuferschicht. Dieses „Goldene
Zeitalter“ führte zu einem beispiellosen Aufschwung der
Kunstproduktion, und Familien wie die Antwerpener Kaufleute Forchondt
bauten im 17. Jahrhundert erstmals ein europa- und transatlantisch
agierendes Handelsnetzwerk auf.
Im 18. Jahrhundert markierte die Professionalisierung des
Auktionswesens in Paris und London einen entscheidenden Schritt in
der Entwicklung des modernen Kunstmarkts. James Christie gründete das
bis heute weltweit führende Auktionshaus Christie’s. Mit der
Französischen Revolution geriet die Königliche Akademie und deren
Monopolstellung ins Wanken. Händler wie Paul Durand-Ruel förderten
alternative Ausstellungsmöglichkeiten und unterstützten zuvor
abgelehnte Künstler wie Courbet und Monet . Sie formten neue
Geschmäcker, öffneten den Markt und legten wichtige Grundlagen für
den aufstrebenden Kunsthandel in den USA.
Auch in Wien kam es um 1900 zu maßgeblichen Neuerungen: Die
Secession etablierte innovative Verkaufsstrategien und elegante
Präsentationen und hob sich bewusst von jenen akademischen Stilen ab,
die zuvor auf Weltausstellungen gefeiert worden waren.
„ Der Kunstmarkt ist für die Bekanntheit einzelner Künstler
ebenso verantwortlich wie die Kunstgeschichtsschreibung selbst, denn
der Wert von Kunstwerken ist für den Handel von zentraler Bedeutung,
und die Nachfrage nach bestimmten Künstlern beeinflusst wiederum
deren Bekanntheit maßgeblich. Das Wissen um diese Dynamik ist
unerlässlich, um zu verstehen, wie Künstler Anerkennung finden und
Karriere machen “, zeigt sich Stephan Koja , Direktor der Fürstlichen
Sammlungen, überzeugt. „ Wir rücken daher den Kunstmarkt, der oft als
undurchsichtig wahrgenommen wird, bewusst ins Rampenlicht. “
„Noble Begierden” eröffnet einen neuen Blick auf die Mechanismen,
Netzwerke und Innovationen des Kunsthandels -und auf die Frage, wie
Kunstwerke über Jahrtausende zirkulierten, bewertet wurden und
schließlich Weltruhm erlangten.
Die Ausstellung ist von 30. Jänner bis 6. April 2026 im
Gartenpalais Liechtenstein von 10 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt zu
sehen.
Presseunterlagen und Fotos
Pressekonferenz „Noble Begierden. Eine Geschichte des europäischen
Kunstmarkts“
Datum: 29.1.2026, 10:00 – 11:00 Uhr
Ort: Gartenpalais Liechtenstein
Fürstengasse 1, 1090 Wien
Url: https://www.liechtensteincollections.at


