Notfall- und Intensivmediziner sowie Verkehrssicherheitsexperten drängen auf eine Helmpflicht

Wien (OTS) – 24.11.2025 – Massive Gehirnschäden, immer mehr tödliche
Unfälle:
Während öffentlich über Altersgrenzen diskutiert wird, zeigt sich in
den Schockräumen der heimischen Krankenhäuser eine schonungslose
Realität. Im Wettlauf gegen die Zeit kämpfen Ärztinnen und Ärzte um
Menschenleben – oft im Wissen, dass selbst modernste Medizin die
Folgen schwerster Kopfverletzungen nicht mehr rückgängig machen kann.
Unabhängig vom Alter, bei jedem Kopf, jedem Menschen.

Die Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation
und Intensivmedizin (ÖGARI) appelliert daher gemeinsam mit dem
Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) an die Gesetzgeber, die
derzeit in Begutachtung befindliche 36. StVO-Novelle zu überarbeiten
und eine altersunabhängige Helmpflicht für E-Scooter und E-Bikes
einzuführen.

Mindestens 28 Menschen sind in diesem Jahr auf Österreichs
Straßen bei Unfällen mit E-Bikes bereits gestorben, fünf Menschen
überlebten die Verletzungen eines E-Scooter-Unfalls nicht (Stand:
9.11.2025). Hinzu kommen jährlich rund 7.500 teils Schwerstverletzte
nach Unfällen mit E-Scootern sowie fast 10.000 Verletzte mit E-Bikes.
Das KFV fordert daher seit Längerem eine altersunabhängige
Helmpflicht.

Laut der im Begutachtungsverfahren befindlichen 36. StVO-Novelle
soll die Pflicht ab 1. Mai 2026 jedoch lediglich bis zum Alter von 14
Jahren bei E-Bikes und bis 16 Jahren bei E-Scootern gelten. Derzeit
ist die Helmpflicht für Fahrräder, E-Scooter und E-Bikes einheitlich
bis zwölf Jahre vorgesehen. Uneinheitlich sind auch die geplanten
Sanktionen: Für E-Bike-Fahrende ohne Helm sind keine Geldstrafen
vorgesehen, während bei E-Scootern künftig bis zu 726 Euro Strafe
drohen.

Zwtl.: Bei E-Scootern liegt die Helmtragequote erst bei zehn Prozent

Wie eine KFV-Erhebung 2025 zeigt, tragen beim Fahren mit E-Bikes
erst 67 Prozent einen Helm – bei E-Scootern sogar nur zehn Prozent.

»Jede Maßnahme zur Erhöhung der Helmtragequote ist ein Schritt in
die richtige Richtung.«, erklärt Dipl.-Ing. Klaus Robatsch, Leiter
des Bereichs Verkehrssicherheit im KFV. »Aber die geplante
Alterseinschränkung ist sachlich nicht gerechtfertigt. Bei E-Bike-
Fahrern ereignen sich auffallend viele Unfälle im fortgeschrittenen
Alter. Und bei E-Scootern macht die ungünstige Fahrdynamik eine
Helmpflicht ohne Altersgrenze unumgänglich.«

Zwtl.: Aus Sicht der Notfall- und Intensivmedizin sind alle
Altersgruppen gefährdet

Wie fatal Stürze enden können, weiß Dr. med. Rebana Scherzer ,
Leiterin der Jungen ÖGARI, aus der Praxis: »Stürze mit E-Scootern und
E-Bikes erzeugen hohe Aufprallenergien. Ein Helm kann die Schwere der
Verletzungen deutlich reduzieren.«

»Bei älteren Personen ist der Schädel zwar härter, doch die
Elastizität nimmt ab – die Gefahr für schwere Gehirnverletzungen
steigt.«, ergänzt Priv.-Doz. Dr. Martin Dünser, DESA, EDIC, Leiter
der Sektion Notfallmedizin der ÖGARI und des Bereichs Notfallmedizin
und Klinische Forschung an der Universitätsklinik für Anästhesiologie
und Intensivmedizin des Kepler Universitätsklinikums Linz.

Gehirnverletzungen zählen in Österreich zu den häufigsten
Todesursachen nach Unfällen und führen trotz modernster notfall- und
intensivmedizinischer Versorgung häufig zu schwersten Langzeitfolgen
für Betroffene und deren Familien.

Beide Mediziner, selbst ausgebildete Notärzte und in der
Flugrettung tätig, weisen darauf hin, dass viele ältere Menschen
Antikoagulantien (Blutverdünner) einnehmen – selbst leichte
Kopfverletzungen können dadurch lebensgefährliche Hirnblutungen
auslösen.

Wie die Erfahrung zeigt, können schwere Schädel-Hirn-Traumata
Menschen jeden Alters treffen. »Schwere Schädelverletzungen lassen
den Betroffenen nur selten die Chance auf eine vollständige Erholung.
Daher unterstütze ich diese Initiative nicht nur als Präsident der
ÖGARI, sondern auch als erfahrener Notfallmediziner in der
Flugrettung und als Vater dreier Söhne.«, erklärt Prim. Priv.-Doz.
Dr. Michael Zink, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für
Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI ). Die ÖGARI
appelliert gemeinsam mit dem KFV für die Einführung einer
altersunabhängigen Helmpflicht.

Zwtl.: Auch Fachgremien der MedUni Wien warnen: Prävention ist
wirksamer als jede Therapie

Der Arbeitskreis Neurotrauma an der MedUni Wien – in dem sich
Expertinnen und Experten aus Neurochirurgie, Unfallchirurgie,
Anästhesie, Intensivmedizin und Neurologie zusammengeschlossen haben
– betont ebenfalls, dass Prävention die einzig effektive Maßnahme
ist. Die Erfahrungen aus den Universitätskliniken sind eindeutig:
Kopfverletzungen nach E-Scooter- und E-Bike-Unfällen sind häufig
schwer, nicht altersgebunden und hinterlassen oft lebenslange Folgen.
Eine vollständige Erholung ist nach schweren Kopfverletzungen in der
Mehrzahl der Fälle nicht möglich.

Zwtl.: Weitere Forderungen und breite Unterstützung

ÖGARI und KFV haben beim Bundesministerium für Innovation,
Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) ausführliche Stellungnahmen
eingebracht. Neben der Helmpflicht fordert das KFV unter anderem:

die verpflichtende Ausstattung von E-Scootern mit zwei
unabhängigen Bremsen,

die Senkung der maximalen Bauartgeschwindigkeit von 25 auf 20
km/h.

Zwtl.: Unterstützt werden die Anliegen weiters von:

Berufsrettung Wien,

Martin Flugrettung,

ÖNK – Österreichische Gesellschaft für Notfall- und
Katastrophenmedizin,

ÖGNC – Österreichische Gesellschaft für Neurochirurgie,

Arbeitskreise Polytrauma und Schädel Hirn Trauma der ÖGU,

sowie weiteren wissenschaftlichen Gesellschaften und
Rettungsorganisationen Österreichs.

Pressestelle KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit)
Tel.: 05-77077-1919
E-Mail: [email protected]
www.kfv.at